Von Software für deutsche Segler hin zu Persönlichkeitsentwicklung mit Hilfe eines Boxers

Geschichten, Gedanken und Gelerntes aus ‘1001’ Design-Thinking-Formaten

Im Rahmen der ersten Design Thinking Masters Veranstaltung, die in den tollen Kreativräumen des Wizeman-Areals in Stuttgart stattgefunden hat, habe ich einmal tief in meiner Design-Thinking-Erinnerungskiste gekramt und zusammengetragen, was ich in den letzten gut 10 Jahren im Rahmen von unzähligen Design-Thinking-Formaten lernen durfe. Über das Moderieren und Coachen von Design Thinkingm aber auch oft und viel über mich selbst.

Einfach anfangen und dann ganz viel üben.

Ich erinnere mich noch sehr gut und gerne an mein allererstes Design-Thinking-Projekt, bei dem wir im Rahmen eines SAP Sponsoring mit der deutschen Segelnationalmannschaft an einer Wissensdatenbank für Segler und Coaches gearbeitet haben. Der Besuch der Kieler Woche mit unzähligen Gesprächen mit unseren zukünftigen Nutzern, das Eintauchen in eine für mich bis dahin völlig unbekanntwe (Segel-Welt) und das “Moin Moin”, das ich damals aufgeschnappt habe, und das mir heute noch regelmässig zur Begrüssung “herausrutscht” , sind dabei bleibende Erinnerungen.

Vor allem der unmittelbare und intensive Kontakt zu den potentiellen Nutzern und das Eintauchen in ein komplett neues Themenfeld waren und sind für mich nach wie vor mit die interessantesten Aspekte meiner Arbeit als Design Thinker. Gerade weil ich bis dahin sehr technisch als Entwickler und Software-Architekt gearbeitet hatte, und “der Nutzer” ein ehrlicherweise eher unbekanntes Wesen war.

Rückblickend war ich damals “zur richtigen Zeit am richtigen Ort”, denn auf Grund der unzähligen Design-Thinking-Aktivitäten, die damals innerhalb der SAP gestartet wurden, hatte ich das das Glück “Design Thinking” in den unterschiedlichsten Themenfeldern und Bereichen ausprobieren zu können. Von Workshops mit Vorstandsmitgliedern oder Aufsichtsräten bis hin zu Software-Projekten für “social entrepreneurs” oder Eishockey-Fans. Ich hab zu allen Anfragen “JA” gesagt und dabei ganz viel gelernt.

Das Projekt mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist mir dabei noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Denn durch die Einbindung von “echten” Eishockey-Fans, die wir damals ganz pragmatisch über einen Facebook-Aufruf gefunden haben, sind wir “Uschi” begegnet. Uschi war unsere Persona und war am Eishockey vor allem als Möglichkeit zusammen mit Freunden zu feiern interessiert, und weniger am Sport an sich. Das war selbst für den beteiligten hochoffizellen Fanbeauftragten der DEL neu und für mich seitdem Motivation in jedem Projekt und Workshop auf die Einbeziehung von “echten” Nutzern zu beharren.

Es geht weniger um Inhalte, sondern viel mehr um die Menschen.

Nicht zuletzt auf Grund meines doch sehr technischen Hintergrundes als Entwickler und Software-Architekt waren meine ersten Design-Thinking-Projekte meist auch sehr “technisch” und es ging das eine ums andere Mal um die Gestaltung innovativer Software-Lösungen. Oft auch in Kombination mit Methoden und Ansätzen aus dem Lean Management oder der agilen Softwareentwicklung.

So spannend und lehrreich diese Projekte auch waren, habe ich relativ schnell erkannt, das meine wahre Leidenschaft im Design Thinking garnicht die erstellten Produkte oder Dienstleistungen sind, sondern die Menschen, die ich als Design Thinking Coach dabei begleiten kann.

Passend dazu habe ich durch meiner Ausbildung zum Gestalttherapeuten sehr viel Handwerkszeug gelernt, das mich bis heute in meiner Arbeit als Design-Thinking-Coach unterstützt. Beispielsweise das Wissen darüber, dass Veränderung immer Beziehung und Kontakt braucht, und ich nicht zuletzt daher immer grossen Wert auf persönliches Kennenlernen und echtes Teambuildung lege. Oder meine grundsätzlich sehr offen, neugierigen und unvoreingenommene Haltung aller Teilnehmer gegebenüber, mit denen ich von Anfang an signalisiere, dass Design Thinking auch den Rahmen bieten kann, sich selbst neugierig und unvoreingenommen zu begegnen und sich einfach mal “anders” zu verhalten — und sich dabei vielleicht selbst am meisten überrascht, wenn man am Ende eines Workshops plötzlich mit blonder Perücke auf der Innovations-Bühne steht.

Jetzt aber raus aus der Komfortzone.

Worauf ich rückblicked wirklich stolz bin, ist die Tatsache, dass ich mich von Anfang an nicht damit begnügt habe, Design Thinking nur im durchaus vielfältigen aber andererseits auch sehr “sicheren” und auch ein wenig abgeschotteten SAP-Universum auszuprobieren. Stattdessen habe ich viele Möglichkeiten genutzt, “raus aus meiner Komfortzone” zu gehen, und dabei umso mehr über Design Thinking und vor allem über mich selbst gelernt.

Sei es durch meine Arbeit als Coach an der School of Design Thinking am Hasso-Platter-Institut in Potsdam, die mir einerseits die Möglichkeit gab, tief in die für mich sehr inspirierende Innovations- und Startup-Kultur in Berlin einzutauchen. Mich andererseits aber auch bis nach Südafrika geführt hat, wo ich im Rahmen eines Studentenprojektes sehr spannende Wochen verbracht habe.

Oder das “30 Minuten Design Thinking” Buch, das ich zusammen mit Johannes Meyer geschrieben haben, und das mir damals sehr geholfen hat, Design Thinking auch in meinen “eigenen Worten” beschreiben zu können.

Und last but not least natürlich die sehr herausforderndenen Workshops, die ich im Rahmen der Impact Weeks in Kenia und Ruanda mit-organisiert und durchgeführt habe, und die mich wie wohl nie zuvor raus aus meiner “corporate comfort zone” geführt haben.

Lehren und lernen.

Den eindeutig besten Nachtisch aller meiner Desig-Thinking-Workshops gab es am Genfer See, an dem ich das Vergnügen hatte, für einen dort ansässigen Lebensmittelhersteller Design Thinking Coaches auszubilden und mitzuhelfen, die dortige IT-Abteilung weg vom reinen Kostenfaktor hin zum sehr gefragten Innovationspartner zu machen.

Spannend waren und sind auch die Aktiviäten, die ich innerhalb der Design at Business Community mit angestossen habe, und in der Design-Thinking-Coaches und -Experten aus den unterschiedlichsten Unternehmen gemeinam und auf Augenhöhe diskutieren, üben und lernen.

Ich bin zwar nach wie vor ein Design-Thinking-Coach ohne Zertifikat, kann damit aber gut leben. Ich freue mich aber sehr, dass sich — auch durch das Entstehen von diversen Zertifizierungsprogrammen zum Design Thinking Coach — die Qualität, die Tiefe und die Länge von typischen Ausbildungsprogrammen in den letzten 2 Jahren doch wesentlich verbessert hat und es heute immer klarer wird, dass “echtes” und nachhaltiges Coachen von Design-Thinking-Formaten mehr Persönlichkeit als Methodenexpertise braucht, und das dies auch entsprechende Ausbildungsformate benötigt.

Design Thinking fürs Leben, Arbeiten und Managen

In den letzten zwei Jahren habe ich ich mich Schritt um Schritt immer weiter von den klassischen Design-Thinking-Formaten entfernt, in denen es um die Neugestaltung von Produkten oder Dienstleistungen geht.

Vielmehr experimentiere ich zum Beispiel zusammen mit Deutschlands Glücksministerin Gina Schöler mit redesign YOU an kreativen Workshop-Formaten, in denen wir Design Thinking und Persönlichkeitsentwicklung zusammen bringen, und das uns dieses Jahr mit unserem ersten redesign YOU retreat bis in die wunderschöne Toskana geführt hat.Oder ich arbeite mit Management-Teams innerhalb der SAP mit Hilfe von Design-Thinking-Methoden an deren zukünftigem Verständnis von Führung und Management. Oder ich überlege zusammen mit Kollegen, wie wir Teilnehmer von Design-Thinking-Formaten bei deren ganz persönlichen Herausforderungen, die sich dabei zeigen, (noch) besser unterstützen können.

Design Thinking Coaching 2.0

Zu guter Letzt möchte ich einen kleinen Blick in die Zukunft wagen: wie sieht (zumindest) mein “Design Thinking Coaching 2.0″ aus, worauf möchte ich bei meiner Arbeit als Design Thinking Coach in nächster Zeit noch mehr achten?

Weniger Prozess, mehr Mensch

Die unzähigen aber letztendlich doch mehr oder weniger gleichen Beschreibungen des “Design -Thinking-Prozesses” sind denke ich vor allem zu Beginn ein notwendiges und hilfreiches Konstrukt. Ich möchte aber in Zukunft noch viel mehr die darunterliegende gewünschte (kreative) Haltung derjenigen Menschen, die diesen Prozess durchlaufen, in den Mittelpunkt stellen, erklären und vor allem erlebbar machen.

Weniger Workshop, mehr Erlebnis

Ich bin mehr und mehr der Überzeugung, dass die klassischen Design-Thinking-Workshops, die meist nie länger sind als drei Tage, weniger für die Inhalte gemacht werden sollten, sondern vor allem für die Teilnehmer. Sprich: Fokus sollte nicht die Erarbeitung von den versprochenen wirklich innovativen Produktideen sein — das gelingt, wenn wir ehrlich sind, sowieso nur in Ausnahmen, und wenn doch, dann scheitert es danach meist in der darauffolgenden Umsetzung — sondern vielmehr das Erlebnis, dass wir den Teilnehmern bieten und das wirklich begeistert, herausfordert und dazu motiviert, Design Thinking als Teil der eigenen Arbeitskultur auch nach dem Workshop zu leben.

Weniger Kopf, mehr Bauch

Gerade weil im Design Thinking aus meiner Sicht noch zu oft auf bestimmte Methoden und vordefinierte Prozessschritte vertraut wird, fallen Baugefühl und Intuiton der Teilnehmer und alles “was so zwischen den Post-It´s steht” leider allzu oft “hinten runter” und stattdessen wird intellektualisert und “drüber nachgedacht”. Warum nicht Beispiele wie das Presencing in der Theory U aufnehmen, in dem den Teilnehmern ein Rahmen gegeben wird, auch einmal in der Stille zu verharren, in sich zu hören und dem zu lauschen, was sich dann an Erkenntissen und Ideen zeigt?

Weniger Ich, mehr Du

Veränderung brauch wie oben schon kurz ausgeführt Beziehung, Begegnung und Kontakt. Daher glaube ich fest daran, dass das eigentliche Potential von Design Thinking in den beteiligten Menschen liegt. Alles, was ich als Design Thinking Coach dafür tun kann, dass diese sich noch mehr öffnen, noch mehr auf Arbeit in und mit einem Team einlassen und noch mehr alte Muster loslassen um sich dabei vielleicht sogar ein wenig selbst neu erfinden, ist wichtig und gut.

Weniger Plan, mehr Begleitung

Gerade durchlaufe ich das Facilitation Curriculum der Kommunikationslotsen und finde es sehr interessant zu sehen, wie deren Haltung als Facilitator und Moderator sich doch mitunter sehr vom streng durchgetakteten Design-Thinking-Moderator unterscheidet. Da lerne ich sehr gerne mehr darüber und werde schauen, wie ich auch im — aus guten Gründen oftmals sehr durchgeplanten Design-Thinking-Format — mehr Freiheiten für das Wissen “das im System steckt” einbauen kann.

Exploring the Tellerrand

Der Faktor Mensch im Design Thinking

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Spätestens die Schlagworte digitale Transformation und Disruption haben Innovationsfähigkeit für Organisationen zum kritischen Erfolgsfaktor gemacht.

„Über den Tellerrand“ zu schauen und „out of the Box“ zu denken ist daher gefragt wie nie und auch ich zitiere oft und gerne im Rahmen meiner Design-Thinking-Formate diese “Weisheiten”.

Nicolas Burkhardt wollte es nicht dabei belassen, und hat sich im Frühjahr 2017 auf seinem Fahrrad unter dem Titel “Exploring the Tellerrand” zu einer Innovationsreis equer durch Deutschland gemacht.

Über Düsseldorf, Lingen , Norden, Bremerhaven, Hamburg, Husum, Flensburg, Kiel, Fehmarn, Wismar, Stralsund, Usedom, Prenzlau, Berlin, Eisenhüttenstadt, Görlitz, Chemnitz, Bärnau, Passau, Tegernsee, Lindau, Lörrach, Karlsruhe, Merzig, Aachen und wieder zurück bis Düsseldorf über mehrere 1000 Kilometer, bei Sonnenschein und jeder Menge “Wind und Wetter”.

Nicolas wollte dabei vor allem “über” aber auch “am” Tellerrand schauen, wen und was er dort an Gesprächspartnern, Arbeitsweisen, Methoden, Ideen und Inspiration rund um das Thema “Innovation” finden kann.

Da dabei auch Karlsruhe auf seiner Route lag, hatte ich das Vergnügen, mich mit ihm vor meiner Lieblings-Esspresso-Bar, dem espresso tostino am Alten Schlachthof in Karlsruhe, über meine Arbeit als Design Thinking Coach bei der SAP und im SAP AppHaus Heidelberg zu unterhalten.

Dabei ging es u.a. um die Entwicklung, die die SAP in den letzten Jahren hin zu einem wesentlich Nutzer-fokussierteren und innovativeren Unternehmen genommen hat, um die Frage, warum ich als Schwabe am Morgen so gerne mit “Moin, Moin” grüsse und vor allem um den “Faktor Mensch” im Design Thinking und welche Rolle ich als Design Thinking Coach dabei spiele, die beteiligten Menschen bestmöglich einzubinden, zu fördern aber auch zu fordern- oft eben ausserhalb deren Tellerrand.

Zusammen mit vielen anderen Reise-Geschichten entsteht daraus gerade eine längere Dokumentation, auf die ich wie am Ende des Interviews angedeutet, in der Tat schon sehr neugierg bin. Stay tuned! Und ein grosses Dankeschön an Nicolas für den Besuch und unser spannendes Gespräch.

redesign YOU retreat 2018

Über fünf Tage Dolce Vita mit nur positiven Nebenwirkungen

Einfach mal rumspinnen …

“Wie würde der ideale redesign YOU Workshop aussehen, den wir gemeinsam gestalten wollen, wenn wir uns das ganz frei aussuchen dürften?” Diese Frage haben Gina und ich uns irgendwann einmal im letzten Jahr gestellt und schnell waren ein paar für uns wesentliche Randbedingungen klar:

Wir würden gerne in einer wirklich schönen Umgebung arbeiten wollen. Mit viel Sonne am Himmel und drumherum viel Natur mit Weitblick zum Entspannen und Gedanken schweifen lassen. Gutes Essen und Trinken wäre auch wichtig, denn kreatives Schaffen kann bekanntlich viel Energie kosten. Die Teilnehmer sollten natürlich viel Platz und Möglichkeiten haben, um an ihren Fragen und Themen zu arbeiten — alleine, oder im Austausch mit anderen. Und: es sollten sich auch irgendwie nach Urlaub anfühlen, denn Arbeit die Spass macht, ist bekannermassen oft am produktivsten.

…. oder besser noch: einfach mal machen!

Das gute Essen, die Sonne, das Urlaubsgefühl und die damit verbundenen (Kindheits-) Erinnerungen haben uns dann im weiteren Gedankenreisen ziehmlich schnell nach Italien geführt, und wie so oft kam dann eines zum anderen: Gina kennt da jemanden, die jemanden kennt und eher wir uns versahen, hatten wir eine wunderschöne Villa in der Toscana gebucht, mit den veganders ein tolles Koch-Team am Start und das erste redesign YOU retreat war geboren.

Dolce Vita mit Nebenwirkungen

So kam es, dass wir Ende April neun neugierige und mutige Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Teilen Deuschlands, der Schweiz und aus Österreich in unserem toskanischen Landhaus mit Blick auf Montepulciano begrüssen konnte. Um zusammen an fünf Tagen an den unterschiedlichsten Fragestellungen und Gedanken rund um ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu arbeiten — von einer persönlichen Neuorientierung nach einer langen Beziehung, über den schon (zu?) oft durchdachten Wunsch ins Ausland auszuwandern, der ganz profanen Frage nach mehr “Spass im Leben” bis hin zu Herausforderungen bei Geschäftsgründungen in ganz unterschiedlichen Branchen und Themenfeldern.

Sehr spielerisch kreativ mit Stift, Kleber, viel Farbe und Pappkarton. Mit viel Energie und Spass beim Tanzen oder Pantomine-Warmup. Sehr ruhig und entschleunigt bei der morgendlichen Mediation, beim Yoga, ausgedehnten Spaziergängen oder unzähligen kleineren und grösseren Gesprächsrunden.

Von “Warum bin ich hier?” über “Wer bin ich, und wenn ja wie viele?” und “Wie verrückt kann ich sein?” bis hin zum “Was sagen die anderen dazu?” haben wir uns auf die Spur gemacht, haben zusammen gelernt, gelacht, geweint und nachgedacht. Ürsprüngliche Fragestellungen verworfen, sich selbst neu erlebt, experimentiert, Visionen visualisiert und konkrete Schritte (mit sich selbst und anderen) vereinbart.

Und dabei mindestens genauso und mehrmals täglich das wunderbare italienische Soul-Food genossen.

Unser erstes redesign YOU retreat war eine wirklich schöne, lehrreiche und inspirierende Erfahrung für uns, und Gina und ich freuen uns heute schon auf eine Fortsetzung in 2019.

„Ich bin glücklich, wenn ich in meinem Rhythmus bin.“

A world traveller, and an explorer within herself, Australian Indie Pop Artist Kirbanu weaves the human experience from despair to euphoria, into beautifully uncomfortable songs.

No shallow waters exist as she takes you on a painfully honest journey of self-inquiry exploring inner struggles, existential questions, change making, as well as celebrating this perfectly imperfect life.

Jochen: Hallo Kirbanu, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmt für meine Fragen. Du hast uns schon zweimal in meinem Wohnzimmer mit Deiner Musik begeistert. Du bist dabei Musikerin, Tourmanagerin, Kommunikationschefin und Agentin in einem – ist diese Vielfalt an Aufgaben eher Last oder Lust für Dich? Und wie bringst Du alles unter einen Hut?

Kirbanu: (lacht) Soll ich die Frage ehrlich beantworten, denn das ist in der Tat eine Herausforderung für mich!

Ich habe voll Bock aufs Lieder schreiben, mich als Musikerin zu entwickeln, Konzerte zu geben, und dabei eine tiefe und bedeutungsvolle Verbindung mit meinen Fans aufzubauen. Aber wenn ich all das machen möchten, braucht es einfach auch das andere: Agentin, Tourmanager, Kommunikationsexpertin, … Ich glaube bei jeder Arbeit gibt es Vor-  und Nachteile, und der Beruf „Musikerin“ gehört da sicherlich dazu.

Trotzdem liebe ich es, so wie es ist, weil ich das tue, was mein Herz mir sagt und ich die „Nachteile“ da gerne in Kauf nehme.

Jochen: Was brauchst Du im kreativ zu sein? Wie entstehen bei Dir neue Songs?

Kirbanu: Ich brauche vor allem und zuallererst einmal viel Ruhe.

Ich brauche ein gemütliches, dunkles Zimmer, in dem mich niemand stört. Ich habe das Glück, dass meine Lieder immer für mich da sind. Wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf richte, kann ich diese auch aufschreiben.

Ich fang entweder mit der Melodie oder der Harmonie an, baue einen Groove auf, und erst dann kommt der Text.

Wenn ich mit einem neuen Lied anfange, brauche ich ein bestimmtes Gefühl, ein konkretes Bild oder einen bestimmten Satz im Kopf. Davon schreibe ich dann.

Jochen: Du singst meistens Solo, aber auch mit Band. Gibt es da Unterschiede für Dich, beeinflusst das auch Deine Musik?

Kirbanu: Oh ja, Absolut. Es gefällt mir sehr mit einer Band zu spielen, weil die Musik dann vielfältiger ist, und ich mich dadurch selbst auch vielfältiger entwickeln kann.

Eine Band gibt mir Energie, und ich habe gleichzeitig mehr Freiheiten, weil ich nicht alles in meiner Musik allein machen muss. Wenn ich könnte, würde ich so oft wie möglich mit meiner Band auf Tournee gehen!

Was ich andererseits super finde, wenn ich alleine spiele, ist wie sensibel und wie sanft meine Musik dann ist. Die Verbindung, die ich mit dem Publikum aufbauen kann ist dann anders – fast schon intim. Und das gefällt mir sehr.

Jochen: Du hast den großen Schritt von Australien nach Deutschland gewagt – was empfiehlst Du Menschen, die vor ähnlichen „großen“ Entscheidungen stehen?

Kirbanu: (lacht wieder) Ganz einfach: einfach machen.

Das ist ein Lebensmotto von mir. Überlege nicht so viel. Wir verlieren zu viel Zeit bei planen. Plane was nötig ist, aber lass genug Freiheit für Leben. Wir wissen doch sowieso nicht, was passieren wird, daher: einfach machen.

Jochen: Was bedeutet es für Dich „glücklich“ zu sein?

Kirbanu: Kurz gesagt: in meinem Rhythmus zu sein. Wenn ich dort bin, habe ich „mehr Platz in mir“. Ich kann dann die kleinen Dinge und Momente in meinem Leben viel mehr genießen und ich das machen, was mir wirklich gefällt: Musik, singen, Yoga, reisen.

Jochen: Wenn Du Dir eine Innovation im Musik-Business wünschen darfst – was wäre das?

Kirbanu: Ich würde mir wünschen, dass es keine Plattenfirmen und auch kein Bezahl-Radio mehr gibt. Alles ist aus meiner Meinung durch Geld kontrolliert, und wenn Du nicht genau in die Schublade passt als Musikerin, dann hast Du keine Chance. Geld sollte nicht Musik kontrollieren.

Musik spricht in so unterschiedlichen Sprachen zu so unterschiedlichen Leute. Wenn Musik nur von eine paar Leuten kontrolliert werden würde, haben wir – das Publikum – nicht die freie Wahl. Wenn Musik kontrolliert ist, wie es meiner Meinung nach heute ist, bekommen wir nur eine ganz limitierte Perspektive darauf.

Musik ist Kunst. Und es ist einzig und alleine die Verantwortung des Künstlers seine Musik, seine „Wahrheit“, zu vertreten. Deshalb sind wir hier. Deshalb bin ich hier.

Jochen: Vielen Dank für Deine Zeit und ich freue mich schon auf das nächste SofaConcert in meinem Wohnzimmer.

„Alles was sich gut anfühlt, hilft mir kreativ zu sein.“

Monika Roscher ist eine deutsche Jazz- und Independent-Gitarristin, Komponistin, Sängerin und Bigband-Leiterin. Roscher wuchs in Langenzenn auf und studierte Jazzgitarre und Komposition an der Musikhochschule München. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit gründete sie 2012 die Monika Roscher Bigband. Die Band sorgte mit ihrer Mischung aus Bigband-Bläsersätzen, Elementen aus Rock, Pop und Electro, sowie filmisch anmutenden Klangdramaturgien landesweit für Aufmerksamkeit.

Jochen: Hi Monika, toll, dass Du Dir Zeit für meine Fragen nimmst. Wir hatten ja vor kurzem ein tolles Konzert mit Dir und ich hab Dich in sehr unterschiedlichen Rollen erlebt. Du bist Gitarristin, Komponistin, Bandleader und Manager Deiner eigenen Big Band. Ist diese Vielfalt mehr Stress oder Abwechslung für Dich?

Monika: Tatsächlich würde ich gerne noch mehr Musik machen und komponieren können, und die Konzerte und Proben per Gedankenübertragung planen. Auch wäre Beamen gut, dann müsste man keine Busse und Fahrten für 19 Musiker organisieren. Manchmal hätte ich gerne einen Sekretär der mir sagt: „Es ist alles ist schon geplant, viel Spass bei der Tour!“ Aber wie in jedem Job gibt es Sachen die macht man gerne und andere müssen halt auch gemacht werden.

Jochen: Wie kam es zu dieser bunten Kombination? Wie viel war davon geplant, wie viel ist einfach passiert?

Monika: Das war alles tatsächlich ein voller Überfall, hätte mir das jemand mit Anfang 20 gesagt dass ich mal ne Bigband habe, hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Aber so ist es gekommen und ich bin sehr froh! Wir haben im dem letzten Hochschuljahr für Bigband schreiben sollen, und das hat mir und den Musikern so viel Spass gemacht, dass ich als Abschlusskonzert dann alles mit Bigband gespielt habe. Und da war ein Mischer und Produzent in diesem Konzert, der danach meinte dass er uns gerne aufnehmen würde. So ging das los.

Jochen: In meiner Arbeit mir Firmen, Organisationen und Teams geht es oft darum, wie die nötigen Freiräume aussehen, damit kreatives Arbeiten möglich wird. Was brauchst Du um kreativ zu sein?

Monika: Tja, wie alle wahrscheinlich: Telefon aus, Internet aus, abtauchen, in sich reinhören ob da was lebt, und wenn ja was das eigene Wesen denn jetzt gerne machen würde, ob es überhaupt was machen will. Träumen, blöd rumsitzen, üben, Sachen anmalen, (Wände, Möbel etc.), Musik hören, Bilder malen (und nie jemandem zeigen!), Pflanzen pflanzen, Langeweile kommen lassen, mit Freunden Musik machen, auf tolle Konzerte gehen, Wein trinken, tanzen gehen, in den See springen, durch den Wald rennen, Sterne anschauen, Vögel beim Zwitschern zuhören, Opa treffen und über sein Leben ausquetschen, hören was Freunde so treiben, Freunde treffen, einfach spazieren gehen, Tischtennis spielen, auf nen Baum klettern, zelten gehen… ich könnte ewig weiter aufzählen. Alles was sich gut anfühlt.

Jochen: In einer Big Band gibt es nicht nur viele Instrumente sondern sicherlich auch viele Meinungen. Wie bringst Du diese unter einen Hut? Wie entsteht dabei Neues? 

Monika: Die Kompositionen schreibe ich, dann wird es gespielt und es kommen Fragen oder Ideen, und dann öffnet sich das alles. Dann ist die Komposition draußen und wir tauschen uns aus und ich freu mich über Ideen und bin offen, und in den Solos sind meine Musiker komplett frei!

Jochen: Wo bist Du in 5 Jahren? Kann man das planen? Willst du das überhaupt?

Monika: Keine Ahnung, wirklich…

Jochen: Wenn Du Dir eine (technologische) Innovation fürs Gitarrenspielen wünsche würdest? Was wäre das?

Monika: Equipment, das sich nach dem Konzert selbst aufräumt, weiß gar nicht wieso es DAS noch nicht gibt!:)

Jochen: Vielen Dank für Deine Antworten und ich freue mich auf noch ganz viel neue Musik von Dir und Deiner Big Band.

LiveAmpere3©Emanuel Klempa