Artikel getaggt mit "Perls"

Ich würd ja wollen, wenn ich nur könnt.

Gepostet von am April 23, 2012 in Vortrag | Keine Kommentare

 “Ich würde ja wollen, wenn ich nur könnt” – das war der Titel des Vortrages, den ich heute im Rahmen der SAP Coaching Community gehalten habe.Ich habe mich sehr über das rege Interesse und die lebhaften Diskussion danach gefreut und bin nun mehr denn je am überlegen, wie “Erlebte Gestalt” bei SAP aussehen kann.

 

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Der Wunsch nach Veränderung

Gepostet von am Dezember 21, 2011 in Blog | Keine Kommentare

Ich würd ja wollen, wenn ich nur könnt

“Ich würd ja wollen, wenn ich nur könnt” oder um den unvergesslichen Karl Valentin zu zitieren „Mögen hätt‘ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

Wir alle haben diese Sätze so oder so ähnlich wohl schon als “Entschuldigung” meist uns selbst gegenüber gebraucht denke ich. Und sie enthalten meiner Meinung nach zwei wesentliche Aspekte, die auftauchen, sobald es um den Wunsch nach Veränderung und den Weg dorthin geht.

Einerseits der Wunsch nach Veränderung: „Ich würd ja wollen“ oder „Mögen hätt ich schon wollen“. Zwar im Konjunktiv formuliert, um den Wunsch vielleicht nicht zu drängend und konkret werden zu lassen. Aber doch mit der klaren Kenntnis darüber, was sich für mich ändern sollte, wenn ich mir „etwas wünschen“ dürfte.

Und zum anderen aber auch die Entschuldigung und Ausrede, denn „dürfen hab ich mich nicht getraut„ bzw. „wenn ich nur könnt“. Denn wie soll ich beispielsweise die gewünschte Veränderung erreichen, wenn ich letztendlich gar nicht dafür verantwortlich bin, wenn sie nicht in meiner Macht liegt? Wenn der Partner oder die Partnerin, der Arbeitgeber, die Gesellschaft, Gott oder das Schicksal selbst letztendlich für die Situation verantwortlich gemacht werden, die den Wunsch nach Veränderung erzeugt?

Der Gestaltweg hin zu Veränderung

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit während meiner Ausbildung zum Gestalttherapeuten am Gestalt-Zentrum Baden habe ich mich sehr intensiv mit eben diesem Wunsch nach Veränderung beschäftigt.

Woher kommt der Wunsch? Was lässt Menschen nach Veränderung streben? Warum fällt es oft so schwer sich auf Veränderung einzulassen, obwohl wir uns oft doch genau diese Veränderung so sehr wünschen? Bin ich denn verantwortlich für meine Veränderungsschritte? Habe ich überhaupt die Freiheit zu entscheiden, wohin ich mich verändern will?

Zumindest ein paar dieser Fragen habe ich im Rahmen meiner Abschlussarbeit aus gestalttherapeutischer Sicht beleuchtet und diskutiert.

Ich möchte in diesem und weiteren Artikeln nun einzelne Aspekte aus meiner Abschlussarbeit aufgreifen. Nicht nur aus gestalttherapeutischer Sicht sondern auch im Sinne einer Gestalthaltung, die für mich in Therapie, im Coaching und im alltäglichen Miteinander unverzichtbar geworden ist.

Beginnen möchte ich in diesem Artikel mit dem Wunsch nach Veränderung. In einem zweiten Artikel werde ich mich der Frage widmen, ob wir Menschen überhaupt die Freiheit haben uns zu verändern, und welche Verantwortung dies dann auch bedeuten kann für jeden Einzelnen. Im dritten Teil dieser Serie werde ich verschiedene mögliche Veränderungsprozesse beschreiben. Im letzten Artikel stelle ich mir dann die Frage, ob und wie ein Gestalttherapeut oder Coach seinen Klienten oder Coachee in seinem Streben nach Veränderung und Wachstum unterstützen kann.

Beginnen möchte ich nun wie schon angedeutet mit dem Wunsch nach Veränderung. Was bringt uns überhaupt dazu „sich verändern“ zu wollen?

Der Wunsch nach Veränderung

„Ein gesunder Mensch ist für mich jemand, der guten Kontakt zur Realität hat:  zu der großen und der kleinen Welt um ihn herum und in ihm selbst.“ – Bruno-Paul de Roeck

Fritz Perls, einer der Mitbegründer der Gestalttherapie,  hat es meiner Meinung nach auf den Punkt gebracht: „Der Wunsch nach Veränderung ist immer begründet in nicht befriedigten Bedürfnissen“.

Und obwohl (oder gerade weil) ich mich im Folgenden vor allem mit diesem Wunsch und einem möglichen Gestaltweg dorthin beschäftigen möchte, beginne ich mit dem im Gestalt-Sinne  „gesunden“ Menschen. Einem Menschen also, der – kurzum gesagt – seine Bedürfnisse wahrnimmt und sie verantwortungsvoll für sich und seine Umwelt befriedigt.

Der grüne Luftballon

Im Herbst 2010 wurde ich während meiner Annapurna-Umrundung in Nepal stiller Zeuge der folgenden Szene, die für mich ein sehr schönes Beispiel für einen „gesunden“ Menschen darstellt.

Während der mittäglichen Rast beobachte ich ein kleines Mädchen, vielleicht 3 oder 4 Jahre alt, das vor einer Hütte auf der anderen Seite der Straße in der Sonne sitzt. Ein Tourist hat ihr offensichtlich einen grünen Luftballon geschenkt und in dem Moment, in dem ich sie beobachte, ist das Mädchen voll und ganz damit beschäftigt, den Luftballon zu ziehen, zu dehnen und irgendwie Luft hineinzublasen. Mit weit aufgeblasenen Bäckchen, hochkonzentriert und ein wenig außer Atem bei all dem Luftballonaufblasen sitzt das Mädchen in der Sonne und hat scheinbar alles andere um sich herum vergessen.

All die Wanderer, die in dem kleinen Dorf Rast machen. Die Ziegen, die meckernd über die Straße springen. Das Geschrei der anderen Kinder, die das eine oder andere Bonbon von den müden Gästen ergattern wollen.  Nein, es gibt für sie in diesem Augenblick nur diesen grünen Luftballon.

Dann mit einem Male hält das Mädchen inne und schaut sich suchend nach der Mutter um, die in vielleicht 5 Meter Entfernung ebenfalls vor der Hütte sitzend mit dem Schneiden und Waschen von Gemüse beschäftigt ist. Das Mädchen springt auf, geht zu ihrer Mutter und drückt sich förmlich in ihre Arme. Die Mutter unterbricht bereitwillig ihre Arbeit und spricht und lacht mit dem Mädchen.

Nach wenigen Minuten und scheinbar genauso plötzlich wie zuvor löst sich das Mädchen wieder von ihrer Mutter, sucht sich einen neuen Platz am Brunnen und widmet sich wieder ausschließlich dem grünen Luftballon.
Doch keine 5 Minuten später verliert es erneut das Interesse daran und erblickt das Brüderchen, das gerade mit den kleinen Kätzchen spielt, die sich am Rand des Brunnen in der Sonne aalen. Das Mädchen packt den grünen Luftballon in ihre Tasche und geht zu ihrem Brüderchen und den Kätzchen.

Der Mensch als sich selbst regulierender Organismus

Nach Fritz Perls ist der Mensch, wie jedes andere lebendige Wesen ein sich selbst regulierender Organismus, der aus zahlreichen Organen und Funktionen besteht, die alle ihren eigenen Stellenwert als Teil des Ganzen haben.

Der Mensch als Organismus ist dabei im wahrsten Sinn des Wortes nicht „alleine auf der Welt“ und auch nicht auf Dauer alleine und autark überlebensfähig. Perls redet hierbei von einer „Umwelt“, die jeder Organismus braucht, um „wesentliche Stoffe auszutauschen“. Weniger abstrakt formuliert braucht der Mensch beispielsweise und bekanntermaßen Luft zum Atmen, Nahrung und Wasser. Er braucht aber auch ein soziales Umfeld und zwischenmenschliche Beziehungen. Er braucht den (non-) verbalen Austausch mit anderen und die Möglichkeit Gefühle (mit-) zu teilen, um nur ein paar „wesentliche Stoffe“ zu nennen, die der Organismus „Mensch“ mit seiner „Umwelt“ austauschen muss, um überleben zu können.

Ein gesunder Organismus ist daher im ständigen Austausch mit sich und seiner Umwelt um die Bedürfnisse zu befriedigen, die innerhalb des Organismus auftauchen. Es können dabei problemlos viele Bedürfnisse gleichzeitig existieren, im gesunden Organismus wird immer das in einem Augenblick „wichtigste“ Bedürfnis „zuoberst“ auftauchen und befriedigt werden. Das alles passiert „automatisch“ und stellt das gesunde Leben des Organismus sicher.

„Die organismische Selbstregulation“, so der Gestalttherapeut und Psychologe Gary M. Yontef, „ist ein Prozess, der sich ständig erneuert und auf Feedback und fortdauernd neuer ´kreativer Anpassung` beruht“. Oder wie der Gestalttherapeut Bruno-Paul de Roeck formuliert: „Der Organismus lässt immer wissen, was jetzt wichtig ist. Er äußert seine Vorlieben. Wenn wir offenstehen für das, was in uns geschieht, tut er es auf offene Weise. Wenn wir die Signale unterdrücken, oder zu zensieren versuchen, tut er es auf versteckte Art“.

Kontakt, Kontaktgrenze und Kontaktzyklus

Der dafür notwenige Austausch, der Kontakt, zwischen Organismus und seiner Umwelt findet an der Kontaktgrenze statt (oder nach Perls der „Ich-Grenze“). Die Haut ist bestes Beispiel für die Kontaktgrenze eines Organismus. Denn die Haut trennt den Menschen (den Organismus) einerseits ab von seiner Umwelt, verbindet ihn aber gleichzeitig auch mit ihr, indem der Mensch z.B. über seiner Haut den Wind oder Berührungen von anderen Menschen wahrnehmen und aufnehmen kann, oder – um es mit den Perls´schen Worten zu sagen – mit seiner Umwelt interagieren und in Austausch treten kann.

Der von Fritz Perls, Ralph Hefferline und Paul Goodman entwickelte Kontaktzyklus beschreibt darauf aufbauend, wie ein aufkommendes Bedürfnis, eine Situation oder eine Gestalt an der Kontaktgrenze idealtypisch befriedigt und damit abgeschlossen und integriert wird. Der Kontaktzyklus setzt sich hierbei im Wesentlichen aus vier Phasen zusammen (Vorkontakt, Kontaktnahme, Kontaktvollzug und Nachkontakt). Synonym dazu wird oft der Begriff der Kontaktkurve oder der Gestaltwelle verwendet, die meist eine etwas genauere Unterteilung des Kontaktzyklus´ beinhaltet.

Ich möchte an dieser Stelle nicht abstrakt auf die einzelne Phasen eingehen, sondern zurück zu meinem Beispiel vom Anfang dieses Kapitels kommen.

Zu Beginn ist das Mädchen sich selbst genug und voll und ganz mit dem grünen Luftballon beschäftigt. Irgendwann bemerkt sie aber eine stetig wachsende Unruhe (Vorkontakt) und danach ihren „Hunger“ auf das Kuscheln mit der Mutter (Kontakt mit dem eigenen Bedürfnis). Sie nimmt (Augen-) Kontakt mit ihrer Umwelt auf, die in diesem Fall vor allem aus ihrer Mutter besteht. (Kontakt mit der Umwelt). Das Mädchen steht auf und begibt sich zu ihrer Mutter und drängt sich in ihre Arme (Aggression). Dort verharrt sich ein paar Minuten und genießt das Geborgensein bei der Mutter (Assimilation und Integration). Danach steht sie wieder auf, begibt sich zu dem Brunnen und widmet sich wieder dem grünen Luftballon (Nachkontakt), bis ein neues Bedürfnis auftauchen wird, in unserem Fall, das Brüderchen und die kleinen Kätzchen, die sich in der Sonne aalen.

Der gesunde Mensch

Dieses Beispiel mag zugegebenermaßen sehr einfach sein, es zeigt aber meiner Meinung nach sehr gut, was es heißt, wenn ein Mensch ein sich ihm zeigendes Bedürfnis im Austausch mit seiner Umwelt befriedigt und integriert. Um sich danach dem nächsten Bedürfnis, der nächsten Situation, der nächsten Gestalt zu widmen. Und dadurch im Fluss des Lebens, des Augenblickes ist. Im Kontakt mit sich und seiner Umwelt.

Solange dies geschieht, ist der Mensch im gestalttherapeutischen Sinne gesund und wird kaum den Wunsch nach Veränderung spüren oder dafür gar Unterstützung bei einem Therapeuten suchen. „Ein völlig gesunder Mensch“, so Fritz Perls, „fühlt sich und die Wirklichkeit ganz und gar.“

Unbefriedigte Bedürfnisse. Unvollendete Gestalten

Doch was passiert, wenn der Kontaktzyklus nicht in seiner idealtypischen Weise ablaufen kann? Wenn es zu Kontaktstörungen kommt?

Wenn das Mädchen beispielsweise ihr Bedürfnis nach körperlicher Nähe mit ihrer Mutter zwar wahrnimmt, sich aber nicht traut, auf die Mutter zuzugehen, weil sie am Gesichtsausdruck der Mutter zu erkennen glaubt, dass diese gerade keine Zeit dafür hat. Oder weil die Mutter in ähnlichen Situationen zuvor abweisend reagiert hat. Oder wenn tatsächlich niemand da ist, und das Mädchen sich zwangsläufig selbst versorgen muss? Oder wenn das Mädchen zwar auf die Mutter zugeht, diese sich aber abwendet, weil sie gerade zu sehr mit der Zubereitung des Essens beschäftigt ist?

Die Konsequenz für das Mädchen ist in allen Fällen die gleiche: ihr Bedürfnis, ihr Wunsch nach körperlicher Nähe, nach Geborgenheit, wird nicht in dem Maße befriedigt, wie sie es in diesem Augenblick gebraucht hätte. Es bleibt ein unbefriedigtes Bedürfnis, eine im gestalttherapeutischen Sinne ungeschlossene Gestalt zurück. Die in unserem Beispiel natürlich nicht zwangsweise zu einem „echten“ und nachhaltigen Problem für das Mädchen werden muss. Nichtsdestotrotz aber im Organismus des Mädchen „stecken“ bleibt, und ähnlich wie ein unverdautes Essen „schwer im Magen“ liegen kann.

Wir Neurotiker

Wir haben alle hunderte, wenn nicht tausende solcher ungeschlossenen Gestalten in uns. Das ist so, und grundsätzlich auch kein Grund zur Besorgnis. Und dennoch können sie uns daran hindern, ein Bedürfnis, dass sich jetzt gerade, in diesem Augenblick zeigt, in einer für uns in diesem Augenblick angemessen Art und Weise befriedigen zu können. Weil die ungeschlossenen Gestalten „nachwirken“ und uns von einem gegenwärtigen Erleben abhalten.

Indem wir unser Bedürfnis im Extremfall beispielsweise gar nicht mehr wahrnehmen, weil wir vielleicht zu oft erlebt haben, dass wir es im Kontakt mit der Umwelt nicht in einer für uns befriedigenden Art und Weise auflösen können. Oder indem wir Tricks und Kniffe entwickeln, uns Rollen aneignen oder Spielchen spielen, um von unserer Umwelt das zu bekommen, war wir eigentlich benötigen, es aber nicht eigenverantwortlich befriedigen können oder wollen.

Für Fritz Perls sind wir dann Neurotiker: „Ich nenne jeden Menschen neurotisch, der seine Kraft darauf verwendet, andere zu manipulieren und sich weigert, selbst zu wachsen“.

Konsequenzen

Das kleine Mädchen, dass ihr Bedürfnis nach körperlichen Nähe und Geborgenheit mit der Mutter oder ihrem (familiären) Umfeld nie oder viel zu selten gemäß der obigen Gestaltwelle befriedigen konnte, kann unter Umständen auch als erwachsene Frau Probleme haben, dieses Bedürfnis in einer Beziehung oder Freundschaft zu zeigen und auf eine für sie gute Art und Weise zu befriedigen.

Weil sie als Kind vielleicht gelernt hat, genau dieses Bedürfnis zu verdrängen. Gelernt hat, sich in diesem Punkt lieber selbst zu versorgen, anstelle das im Kontakt mit ihrer Umwelt und anderen Menschen zu tun. Gelernt hat ohne Nähe und Geborgenheit auszukommen. Und als erwachsene Frau dann vielleicht zurückhaltend, introvertiert, „verkopft“ oder emotionslos auf andere wirkt. Und sich selbst wohl so einschätzt.

Oder weil sie als Kind gelernt hat, dass ihr Bedürfnis nur dann von der Mutter oder ihrem (familiären) Umfeld gestillt wird, wenn sie brav und fleißig war. Oder sich besonders hübsch gemacht hat. Oder anderweitig „Leistung“ erbracht hat dafür. Und als erwachsene Frau dann vielleicht von einem nie zu erfüllenden Leistungsanspruch sich selbst gegenüber getrieben ist.

Der Wunsch nach Veränderung

An diesem Punkt sind wir wieder am Beginn des Kapitels angekommen. Bei dem Wunsch nach Veränderung auf Grund unbefriedigter Bedürfnisse.

Und dieser Wunsch lässt die Frau vielleicht zu guter Letzt an der Tür eines Gestalttherapeuten klingeln. Weil sie „unzufrieden“ mit sich ist. Weil sie eben nicht mehr introvertiert und emotionslos sein möchte. Weil sie spürt, dass ihr eigener Leistungsanspruch sie früher oder später in den Burn-Out treiben wird oder sie schon genau dort ist. Weil sie wegkommen möchte von den Rollen und Spielchen, auf die sie keine Lust mehr hat, aber dennoch immer weiter spielt.

Diesen Artikel als PDF zum Download gibt es hier.

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Vom Therapeutentsein

Gepostet von am August 13, 2011 in Blog | Keine Kommentare

Was macht einen Gestalttherapeuten zu einem Gestalttherapeuten?

Fritz Perls hat die folgende „Definition“ formuliert:

„Ich akzeptiere niemand als kompetenten Gestalttherapeuten, solange er noch ‚Techniken‘ benützt. Wenn er seinen eigenen Stil gefunden hat, wenn er sich selbst ins Spiel bringen kann und den Modus (oder die Technik), die die Situation verlangt, nicht der Eingebung des Augenblick folgend erfindet, ist er kein Gestalttherapeut.“

Eine für mich sehr stimmige Definition ist die folgende:

„Er (der Therapeut) betrachtet sich auch nicht als zuständig für die Befriedigung der Bedürfnisse seiner Klientin oder seines Klienten. Er kommt daher nicht in die Gefahr, Helfer, Antreiber, Bremser, Prediger, Bewerter, Besserwisser oder trickreicher Psychotechniker zu werden. Er interessiert sich vielmehr dafür, wie sein Klient es schafft, seine Bedürfnisse nicht zu befriedigen, und unterstützt ihn mit seiner ganzen Kompetenz dabei, im Verlaufe seiner Prozesse seine eigenen Wege und seine eigenen Lösungen zu entdecken.“

Und weiter:

„Ein Therapeut, der so arbeitet, braucht keine Regeln, Techniken oder gar Tricks. Es ist, der er ist, und folgt dem, was von Moment zu Moment geschieht, ohne sich zu verzetteln. Er hilft, ohne Helfer zu sein; er sich sich seiner selbsr sicher ohne Arroganz; er konfrontiert, ohne hart zu werden; er ist fürsorglich, ohne Sorgen seines Klienten zu übernehmen; er ist präsent ohne Aufdringlichkeit; er ist ernsthaft, ohne seinen Humor zu verlieren; er ist liebevoll, ohne sich persönlich zu verwickeln; er lacht, ohne seinen Klienten auszulachen; er ist berühtbar, ohne seine Grenzen aufzugeben“ – Frank-M.  Stämmler & Werner Bock

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Schicksal und was daraus entstehen kann

Gepostet von am August 3, 2011 in Blog | Keine Kommentare

Manchmal kommt doch in der Tat das eine zum anderen.

Bei mir nun in diesem Fall zwei Bücher, in denen sich, obwohl ganz unterschiedlich in Stilrichtung und Intention, interessante Gemeinsamkeiten entdecken lassen.

Da ist zum einen ein Klassiker der Gestalttherapie-Lehrliteratur: Arnold Beisser´s Wozu brauch ich Flügel, in dem Beisser über sein Leben erzählt.

Vom Leben als gefeierten Tennis-Champion, der zudem schon in sehr jungen Jahren zu Doktorwürden kommt. Der „mitten im Leben steht“ und dem wohl jeder fast alles zugetraut hat.

Der dann aber auf den Weg in den 2. Weltkrieg plötzlich und unerwartet an Kinderlähmung (Polio) erkrankt. Eine Krankheit, die damals noch unheilbar war, und eine Krankheit, die ihn für viele Monate in die „eiserne Lunge“ zwingt. So gefesselt und seines bisherigen Lebens (und Körpers) beraubt, fängt Beisser an nachzudenken über sich und sein Leben.

Weit weniger autobiographisch und rein fiktiv: Phillip Roth´s Nemesis.

In dem Roth eine (erfundene) Polio-Epidemie in Newark im Jahre 1944 als Rahmen dient.

(Tragischer) „Held“ und Mittelpunkt ist der Sportlehrer Bucky Cantor, der auf Grund seiner extremen Kurzsichtigkeit untauglich für den Weltkrieg ist. Ein Krieg, in dem seine besten Freunde für Amerika in Europa kämpfen.

Bucky betreut stattdessen über die Sommerferien Kinder. Zuerst auf dem städtischen Sportplatz und später in einem Zeltlager. Und jedesmal holt ihn die Kinderlähmung ein, die zahllose Kinder zu Krüppel macht oder in den Tod reisst. Kurz vor Ende der Epidemie erkrankt auch Bucky und überlebt nur knapp. Aber für immer verkrüppelt.

Wäre Roth ein Fotograf und Nemesis eines seiner Fotografien,  würde ich Roth´s Stil als „gestochen scharf“ beschreiben. Denn beim Lesen hatte ich nicht das Gefühl, dass auch nur ein Wort zu viel oder unnötig gewählt ist.

Schicksal und die Konsequenzen

Doch mir geht es hier nicht um Literaturkritik, mir geht es um die zwei Menschen (der eine real und der andere fiktiv), die im Grunde mit dem gleichen Schicksal (-sschlag) konfrontiert werden. In dem sie an Kinderlähnmung erkranken, wodurch sich ihre komplette Lebensplanung auf den Kopf stellt. Doch so ähnlich dieser Schicksalsschlag ist, so unterschiedlich die Konsequenzen für die beiden.

Während Bucky am Ende des Buches nicht nur körperlich verkrüppelt ein einsames und verbittertes Leben lebt, (weil er der Frau, die ihn liebt, nicht mit einem Krüppel wie er es ist, „belästigen“ möchte und sie regelrecht aus seinem Leben „vertreibt“), und Gott die Schuld gibt für das Leid, das ihm und der Welt widerfährt, wird Beisser Leiter einer psychatrischen Klinik und angesehener Gestalttherapeut, der mit seinem „Paradoxon der Veränderung“ einen zentralen Aspekt der Gestalttherapie formuliert und geprägt hat:

Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu sein, was er nicht ist.

Das Paradoxon der Veränderung

„An allen Fronten vernichtend geschlagen, musste ich lernen, aufzugeben und anzunehmen, wie ich geworden war und nicht hatte sein wollen. Aus meiner Aufgabe und der Annahme dessen, was ich mir nicht ausgesucht hatte, erwuchs das Wissen um einen neue Art der Veränderung und eine neue Lebensweise, die ich nicht erwartet hatte. Es war eine paradoxe Veränderung“, so Beisser über seinen (nur anfänglichen) Kampf mit seiner Krankheit und den damit verbundenen sehr drastischen Konsequenzen für sein weiteres Leben.

„Es war keine Veränderung, die von Kampf, Arbeit und Mühe geprägt war, sondern eher die Entdeckung, wie es möglich ist, nicht zu kämpfen, nachzugeben, einen Schritt beiseite zu treten und die Wahrheit deutlich werden zu lassen. Es war keineswegs die tragische Wahrheit, die ich erwartet hatte“ und weiter „Ich erfuhr, dass es nicht immer nötig ist zu kämpfen, um seinen Platz in der Welt zu finden, denn ich entdeckte den Platz, den ich schon in mir hatte. Je mehr ich diesem Platz vertraut wurde und mich auf ihn verlassen konnte, desto mehr fand ich heraus, dass es auch einen Platz in der Welt für mich gab“.

Ich finde diese Zeilen bemerkenswert – vor allem in Anbetracht der Herausforderung, die Beisser auf Grund der doch sehr dramatischen Schicksalswendung bewältigen musste.

Ein Gegenüber im Kontakt

Ich weiss natürlich nicht, was passiert wäre, wenn Bucky Cantor zur richtigen Zeit die für ihn richtige Unterstützung gefunden hätte. Beisser trifft recht zufällig auf Fritz Perls, einem der Mitbegründer der Gestalttherapie. Und diese Begegnung ist richtungsweisend für ihn, und die beiden werden Kollegen und Freunde.

Beisser beschreibt sein erstes Treffen mit Perls mit den folgenden Worten:

„Was ist denn mit Ihnen passiert? Er sagte das mit solch kindlicher Unschuld und Verwunderung, dass ich es ihm nicht übel nahm. Er schien ganz einfach an dem Offensichtlichen, das einen starken Gegensatz zu dem Üblichen darstellt, interessiert zu sein“. Und weiter „Seine erfrischend freimütige Reaktion zeigte wirklich echtes Interesse. Das war erleichternd (…) Aber seine wirkliche Kraft bestand in seiner Fähigkeit, direkten Kontakt mit dem Wesentlichen der Menschen und ihren Situation herstellen zu können“.

Viel besser kann ich die Art und Weise, wie ein Gestalttherapeut als Gegenüber verfügbar sein kann nicht beschreiben.

Schicksal und was daraus entstehen kann

Für mich lerne ich von Menschen wie Beisser, was es heissen kann mit „seinem Schicksal“ umzugehen. Es vor allem erst einmal anzuerkennen und damit den vielleicht ersten und wichtigen Schritt hin zu einer Veränderung „zum Besseren“ zu ermöglichen.

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Vortrag über Gestalttherapie bei SAP

Gepostet von am April 7, 2011 in Allgemein | 1 Kommentar

Am heutigen Donnerstag hatte ich das Vergnügen, die Grundlagen, Ideen und Methodender Gestalttherapie im Rahmen des Coaching-Forums der SAP vorzustellen. Der Vortrag kann bei Interesse hier heruntergeladen werden.

Für mich war der Vortrag eine sehr interessante und spannende Erfahrung, die mich darin bekräftigt hat, dass Gestalttherapie auch im Rahmen von (Business-) Coaching einen stimmigen Platz haben kann.

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