„Ich bin glücklich, wenn ich in meinem Rhythmus bin.“

A world traveller, and an explorer within herself, Australian Indie Pop Artist Kirbanu weaves the human experience from despair to euphoria, into beautifully uncomfortable songs.

No shallow waters exist as she takes you on a painfully honest journey of self-inquiry exploring inner struggles, existential questions, change making, as well as celebrating this perfectly imperfect life.

Jochen: Hallo Kirbanu, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmt für meine Fragen. Du hast uns schon zweimal in meinem Wohnzimmer mit Deiner Musik begeistert. Du bist dabei Musikerin, Tourmanagerin, Kommunikationschefin und Agentin in einem – ist diese Vielfalt an Aufgaben eher Last oder Lust für Dich? Und wie bringst Du alles unter einen Hut?

Kirbanu: (lacht) Soll ich die Frage ehrlich beantworten, denn das ist in der Tat eine Herausforderung für mich!

Ich habe voll Bock aufs Lieder schreiben, mich als Musikerin zu entwickeln, Konzerte zu geben, und dabei eine tiefe und bedeutungsvolle Verbindung mit meinen Fans aufzubauen. Aber wenn ich all das machen möchten, braucht es einfach auch das andere: Agentin, Tourmanager, Kommunikationsexpertin, … Ich glaube bei jeder Arbeit gibt es Vor-  und Nachteile, und der Beruf „Musikerin“ gehört da sicherlich dazu.

Trotzdem liebe ich es, so wie es ist, weil ich das tue, was mein Herz mir sagt und ich die „Nachteile“ da gerne in Kauf nehme.

Jochen: Was brauchst Du im kreativ zu sein? Wie entstehen bei Dir neue Songs?

Kirbanu: Ich brauche vor allem und zuallererst einmal viel Ruhe.

Ich brauche ein gemütliches, dunkles Zimmer, in dem mich niemand stört. Ich habe das Glück, dass meine Lieder immer für mich da sind. Wenn ich meine Aufmerksamkeit darauf richte, kann ich diese auch aufschreiben.

Ich fang entweder mit der Melodie oder der Harmonie an, baue einen Groove auf, und erst dann kommt der Text.

Wenn ich mit einem neuen Lied anfange, brauche ich ein bestimmtes Gefühl, ein konkretes Bild oder einen bestimmten Satz im Kopf. Davon schreibe ich dann.

Jochen: Du singst meistens Solo, aber auch mit Band. Gibt es da Unterschiede für Dich, beeinflusst das auch Deine Musik?

Kirbanu: Oh ja, Absolut. Es gefällt mir sehr mit einer Band zu spielen, weil die Musik dann vielfältiger ist, und ich mich dadurch selbst auch vielfältiger entwickeln kann.

Eine Band gibt mir Energie, und ich habe gleichzeitig mehr Freiheiten, weil ich nicht alles in meiner Musik allein machen muss. Wenn ich könnte, würde ich so oft wie möglich mit meiner Band auf Tournee gehen!

Was ich andererseits super finde, wenn ich alleine spiele, ist wie sensibel und wie sanft meine Musik dann ist. Die Verbindung, die ich mit dem Publikum aufbauen kann ist dann anders – fast schon intim. Und das gefällt mir sehr.

Jochen: Du hast den großen Schritt von Australien nach Deutschland gewagt – was empfiehlst Du Menschen, die vor ähnlichen „großen“ Entscheidungen stehen?

Kirbanu: (lacht wieder) Ganz einfach: einfach machen.

Das ist ein Lebensmotto von mir. Überlege nicht so viel. Wir verlieren zu viel Zeit bei planen. Plane was nötig ist, aber lass genug Freiheit für Leben. Wir wissen doch sowieso nicht, was passieren wird, daher: einfach machen.

Jochen: Was bedeutet es für Dich „glücklich“ zu sein?

Kirbanu: Kurz gesagt: in meinem Rhythmus zu sein. Wenn ich dort bin, habe ich „mehr Platz in mir“. Ich kann dann die kleinen Dinge und Momente in meinem Leben viel mehr genießen und ich das machen, was mir wirklich gefällt: Musik, singen, Yoga, reisen.

Jochen: Wenn Du Dir eine Innovation im Musik-Business wünschen darfst – was wäre das?

Kirbanu: Ich würde mir wünschen, dass es keine Plattenfirmen und auch kein Bezahl-Radio mehr gibt. Alles ist aus meiner Meinung durch Geld kontrolliert, und wenn Du nicht genau in die Schublade passt als Musikerin, dann hast Du keine Chance. Geld sollte nicht Musik kontrollieren.

Musik spricht in so unterschiedlichen Sprachen zu so unterschiedlichen Leute. Wenn Musik nur von eine paar Leuten kontrolliert werden würde, haben wir – das Publikum – nicht die freie Wahl. Wenn Musik kontrolliert ist, wie es meiner Meinung nach heute ist, bekommen wir nur eine ganz limitierte Perspektive darauf.

Musik ist Kunst. Und es ist einzig und alleine die Verantwortung des Künstlers seine Musik, seine „Wahrheit“, zu vertreten. Deshalb sind wir hier. Deshalb bin ich hier.

Jochen: Vielen Dank für Deine Zeit und ich freue mich schon auf das nächste SofaConcert in meinem Wohnzimmer.

Transformations: 7 Roles to Drive Change by Design

Wie kann Design helfen, Organisationen, Unternehmen und Teams hin zu mehr Innovation, Kreativität und Zukunftsfähigkeit transformieren?

Anhand zahlreicher Fallbeispiele zeigen die Autoren in diesem spannenden Buch 7 Rollen, die Design dabei übernehmen kann. Und verbinden dies auch immer mit persönlichen Geschichten und Veränderungsprozessen von einzelnen Mitarbeitern. Ich hatte dabei die Ehre, über die Transformation zu sprechen, die ich in den letzten Jahre innerhalb der SAP erleben und  mitgestalten durfte.

Ein auf jeden Fall lesenswertes Buch, das ich nur empfehlen kann. Das Kapiel über die SAP gibt es hier zum Nachlesen – die restlichen Fallbeispiele dann im Buch 🙂

Von Piraten und kreativen Künstlern

Wie sehen Berufsbilder in der IT aus? Was hat sich schon geändert in den letzten Jahren und was wird noch alles passieren? In einer (IT-) Welt in der alle von Digitalisierung, IoT, Big Data oder Machine Learning reden? Und in der mehr und mehr agil, kreativ und in Teams gearbeitet wird?

Die ComputerWoche hat dazu eine Sonderausgabe herausgebracht und ich hatte das Vergnügen dazu befragt zu werden und zu berichten, wie sich mein Berufsbild in den letzten 19 Jahren verändert hat, in denen ich in der IT tätig bin. Hier geht es zum dem Interivew mit mir.

Design Thinking im Himilaya

Im Oktober und November hatte ich das große Vergnügen, über drei Wochen durch den Solu Khumbu zu wandern, eines der schönsten Trekkinggebiete Nepals – Mount Everest inklusive.

Bei den langen Tagesetappen blieb neben dem Bestaunen der unglaublichen Bergwelt um mich herum auch Zeit zum Reflektieren – und ich war immer wieder überrascht, wie viele Ähnlichkeiten ich zwischen so einer Hochgebirgswanderung und meinem Berufsalltag entdeckt habe. Beispiele gefällig, was Wandern im Himalaya mit Design Thinking zu tun hat?

Verrücktes ist erlaubt

 

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Nachdem ich in 2010 während der Annapurna-Umrundung bei der Überquerung des Thorong La Pass auf 5677 Meter aufgestiegen war, ist bei einem der regelmäßigen Pizza-Abende mit meiner Mitwanderin Ellen die waghalsige Idee entstanden, doch tatsächlich einmal einen 6000-er zu besteigen. Was für jemanden wie mich, der zwar ganz ordentlich laufen kann, aber ansonsten keinerlei alpine Bergerfahrung hat, gelinde gesagt ein ziemlich verwegener Wunsch war.

Doch manchmal sind es die auf den ersten Blick allzu verwegenen Gedanken, die zum Erfolg führen. Denn als ich am 08. November gegen 10 Uhr auf dem Island Peak in der für mich fast unglaublichen Höhe von 6189 Meter stand, wurde unsere Verrücktheit Realität und der strahlend blaue Himmel sowie die atemberaubenden Aussichten um uns herum haben für die dafür nötigen Strapazen mehr als entschädigt. Träume sind eben nicht automatisch die vielzitierten Schäume, sondern können vielmehr Raum geben für am Ende traumhafte Erlebnisse.

Das trifft ganz offensichtlich für Bergabenteuer zu, aber genauso kommt es bei der Suche nach der nächsten Innovation, dem neuen Produkt oder der neuen Dienstleistung darauf an, ab und an auch Verrücktheiten nicht nur zuzulassen, sondern diese auch zu fördern und ihnen den Raum zu geben, den diese brauchen um entstehen und wachsen zu können.

Bei unseren Design-Thinking-Workshops oder –Projekten ist dies beispielsweise bei Brainstormings nötig, in denen wir die Teilnehmer durch entsprechende Methoden und Vorgaben dazu ermutigen, auch einmal quer zu denken und die wilden und verrückten Ideen loszuwerden. Denn allzu oft ist dann solch eine auf den ersten Blick vielleicht „verrückte“ Idee Inspiration für die nächste Idee, die dann vielleicht einer möglichen Umsetzung schon einen Schritt näher kommt.

Zusammen im Team geht es besser

 

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Ich war in Nepal nicht alleine unterwegs, sondern hatte neben unserem Bergführer Markus ein prima Team um mich herum. Pratap, unser nepaleischer Reiseleiter, der vor Ort alles organisiert hat. Narayan unser Koch, der uns am Island Peak mit einer famosen veg noodle soup neuen Kräfte verliehen hat. Unseren Trägern, die sich unserem Gepäck angenommen haben, und ohne die wir die Tage und Wochen sicherlich nicht durchgehalten hätten. Und last but not least all die Mitwanderer, die jeder auf auf seine Weise dazu beigetragen haben, dass wir auf fast allen Pässen und Gipfel immer zusammen zum obligatorischen Mannschaftsfoto angetreten sind.

Und was in den Bergen hilft, ist auch beim Weg durch die Unwägbarkeiten eines Design-Thinking-Projekten wichtig: Das richtige Team aus Menschen, mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, Charakterzügen und Kompetenzen. Der eine bringt technische Expertise sein, der andere sorgt für die gute Laune, die dritte für den Kuchen am Nachmittag, der Vierte vielleicht achtet auf die Zeit und ein letzter kann besonders gut mögliche Konflikte innerhalb des Teams moderieren. Und damit dies funktioniert, sollte man sich vor allem zu Beginn genügend Zeit nehmen, diese Kompetenzen und Charakterzüge der anderen auch entsprechend kennenzulernen.

Unterstützung ist in Ordnung

 

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Der Island Peak ist im Grunde ein klassischer Trekking-Gipfel, der auch ohne echte alpine Bergerfahrung zu bezwingen ist. Doch es gibt trotzdem einen kleinen aber umso steileren Haken bei der Sache, denn die letzten ca. 200 Höhenmeter vor dem Gipfel sind nur über einen Gletscher erreichbar und dabei wird es steil, steiler noch dann noch ein bisschen steiler.

Die Steigeisen halfen mir da sehr aber noch viel mehr hat mich unser sehr erfahrener Bergführer Markus unterstützt, ohne dessen Hilfe ich diesen Gipfel nicht bezwungen hätte. Seine Ruhe und Gelassenheit, seine immense Erfahrung am Berg, sein Seil, das mich während des Auf- und Abstieg gesichert hat und seine ermunternden Worte zur rechten Seite waren sehr hilfreich und absolut notwendig.

Erklommen habe ich den Gipfel letztendlich natürlich selbst, doch Markus war der richtige Helfer an meiner Seite.

Unsere Design Thinking Teams werden bei ihrer Besteigung zum nächsten Innovations-Gipfel daher auch nicht alleine gelassen, denn ein erfahrener Coach steht einem Team zu jedem Zeitpunkt eines Workshops oder eines Projektes mit Rat und Tat zur Seite.

Beispielsweise mit Aufmunterung, wenn dem Team das Vertrauen in die eigenen Ideen schwindet, mit beruhigenden Worten, wenn allzu viel Eifer eher hinderlich ist, mit den nötigen Werkzeugen oder dem „langen Seil“, das dem Team alle Freiheiten gibt, aber immer davor schütz, in den Untiefen des Innovations-Dschungels abzustürzen.

Ausdauer ist hilfreich und nötig

 

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Spätestens nach sechs bis sieben Stunden werden die Etappen lang und länger. Irgendwann schmerzen die Beine, die Luft wird knapp und knapper aber das schon lang ersehnte Etappenziel will sich einfach nicht zeigen am Horizont. Da ist dann echte Ausdauer erforderlich, denn Aufgeben gilt nicht und zur Not hilft ein wenig auf die Zähne beißen, ein Müsli-Riegel oder ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche. Und die Ausdauer lohnt sich spätestens dann, wenn ich auf dem gerade erklommenen Pass oder Gipfel vom lieben Wettergott wieder einmal mit phänomenalen Aussichten beschenkt werde.

Ausdauer ist also wichtig – am Berg genauso wie bei Design-Thinking-Projekten. Denn vor allem während eines längeren Projekten kann es Momente geben, in denen der Erfolg oder der echte Fortschritt auf sich warten lassen: wenn beispielsweise während der Recherche die wirklich zündenden Informationen noch nicht gefunden wurden, wenn beim Brainstorming „die eine“ Idee auf sich Warten lässt, oder wenn die konkrete Umsetzung des als gut befundenen Prototypen sich mehr und mehr in die Länge zieht, und die oder oder andere politische Hürde zu überwinden hat.

Und noch eine Gemeinsamkeit: bei aller Ausdauer sind Pausen erlaubt. So wie wir vor dem Gipfelsturm am Island Peak einen Ruhetag eingelegt haben, kann es auch gut und förderlich sein, Projektarbeit Projektarbeit sein zu lassen, und einfach mal eine Pause einzulegen und beim Team-Dinner, dem einen oder anderen Warmup oder dem Spaziergang an der frischen Luft neue Energie zu sammeln für den nächsten Ansturm auf den Innovations-Gipfel.

Raus aus der Komfortzone

 

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„The magic happens outside your comfort zone“ – diese Weisheit erwähne ich wohl zu Beginn eines jeden Design-Thinking-Workshops. Denn oft sind diese Tage dann für die Teilnehmer in der Tat ein ganz neues Erlebnis, das die bisher gekannte Arbeitsweise auf den Kopf stellt.

Während der Wochen in Nepal durfte ich meine Komfortzone des Öfteren verlassen. Sei es beim sehr steilen Gletscher-Aufstieg zum Island Peak, bei der Katzenwäsche mit eisigem Wasser am frühen Morgen oder dem teils sehr anstrengenden Tagesetappen, die mich bis zu 12 Stunden auf den Beinen gehalten haben.

Doch so herausfordernd das dann auch ab und an war – ich habe dadurch viel gelernt über mich, habe Gipfel bestiegen, die ich nicht für möglich gehalten habe und bin gestärkt zurück in meine waagerechte Komfortzone in Deutschland zurückgekehrt.

Und darum geht es auch bei unseren Design-Thinking-Workshops: dass unsere Teilnehmer auch jenseits der Arbeit an konkreten Produktideen ihre ganz persönliche (Arbeits-) Komfortzone ein kleines wenig verlassen. Um sich dabei neu zu erfahren, zu lernen und auch ganz persönlich ein kleines bisschen wachsen und inspiriert und gestärkt in den Arbeitsalltag zurückkehren.

Umdrehen ist keine Schande

 

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Auf dem Weg zum Gipfel des Island Peak wurde die Lust spätestens über 5000 Höhenmeter immer dünner. Zu dünn für drei meiner Mitwanderer. Und da mit der Höhenkrankheit nicht gespaßt werden sollte, hat unser Bergführer Markus entschieden, dass die Drei umkehren und ins Base Camp zurückwandern müssen. Doch Umdrehen ist in den Bergen keine Schande, sondern zeugt vielmehr von der nötigen Vernunft und Weitsicht.

Das trifft bei Gipfelbesteigungen im Himalaya sicherlich so zu wie bei dem einen oder anderen Design-Thinking-Projekt. Denn auch da gibt es durchaus Momente und Situationen, wenn Umdrehen bzw. eine komplette Neuausrichtung keine Schande, sondern die genau richtige Entscheidung ist.

Beispielsweise wenn sich die ursprüngliche Fragestellung als nicht zielführend erwiesen hat, wenn die anvisierte Nutzergruppe sich als nicht relevant herausstellt oder wenn sich die anfangs so enthusiastisch bewertete Idee bei ersten Tests als völlig unbrauchbar erweist.

Design Thinking im Himalaya

Mittlerweile bin ich wieder zurück im Büro-Alltag und Design Thinking findet nun wieder beispielsweise im AppHaus in Heidelberg statt. Wo ich mit unseren Kunden an deren Herausforderungen arbeite – mit mindestens genauso viel Verwegenheit, Ausdauer und einem guten Team an meiner Seite. Die Tage und Wochen im Himalaya werde ich aber nicht vergessen, worauf es auch bei Innovations-Gipfelerstürmungen ankommt und nicht nur am Island Peak.

Wenn sich Helden aufmachen

Nina_TrobischNina Trobisch liegt die kreative Entwicklung von Mensch und Organisation am Herzen.
Sie ist Theaterwissenschaftlerin und Dramadozentin, Systemischer Coach und Gestalttherapeutin sowie Initiatorin des Heldenprinzip®. Als Dramaturgin für Veränderung begleitet sie mit ihrer Firma Einzelpersonen, Teams und Unternehmen.
Zudem ist sie Lehrbeauftragte an der Universität der Künste in Berlin. Die Verknüpfung von sinnlichem Erleben, modernem Wissen und mythologischer Substanz, ist das, wozu sie beitragen will.

 

Jochen: Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein Interview nimmst. Wer war der Held Deiner Kindheit? Und warum?

Nina: Der Held, nein besser die Heldin meiner Kindheit ist Aschenputtel. Ich blättere oft in meinem wunderschönen Bilderbuch. Ein Bild, ganz grau und staubig, zeigte sie matt und erschöpft in der Küche, auf einem anderen erstrahlte sie in einem traumhaft glitzerndem Kleid und sie zog alle staunende Blicke auf sich.  Ein krasser Unterschied, den ich liebte.
Wenn ich mir heute überlege, was mich an ihr beeindruckt hat, war es wohl ihr Wille und ihre Kreativität, sich von Gemeinheit, Bosheit und Elend nicht unterkriegen zu lassen. Sie hat immer wieder Ideen, findet Auswege und Lösungen in ihrem Dilemma, suchte Hilfe und wird am Ende mit der Liebe belohnt. Das ist doch schön.

Jochen: Ich kenne die Heldenreise aus meiner Ausbildung zum Gestalttherapeuten als sehr intensive Selbsterfahrung. Wie seid ihr auf die Idee gekommen die Heldenreise auf Innovationsprozesse bzw. Organisationsentwicklung anzuwenden?

Nina: Die „Heldenreise“, von der Du sprichst, benennt einen Seminartitel von Paul Rebillot. In seinem Konzept hat er das Grundmuster des sogenannten Monomythos in kongenialer Art für ein Seminar genutzt, was durch einen kreativen Selbsterfahrungsprozess zur Selbsterkenntnis führt. Den Monomythos wiederum hat Joseph Campbells in seinem Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ eingeführt.

Jochen: Was verbirgt sich denn hinter diesem Monomythos?

Nina: Also, da ich muss einen kleinen Umweg machen, um Deine Frage zu beantworten: Seit es Menschen gibt, gibt es Veränderung und die Überlieferung damit verbundener Erkenntnisse. In Mythen und Geschichten wurden Fakten, Erlebnisse und Gefühle zusammengefasst, die Menschen mit dem universellen Thema Veränderung erfahren hatten. Das Erstaunliche daran ist, dass sich in diesen Geschichten – aus allen Zeiten und Kulturen – ein typisches Grundmuster verbirgt, so wie auch die Natur mit dem Rhythmus der Jahreszeiten einer inneren Struktur folgt. Wir alle kennen diese Struktur „Aufbruch-Abenteuer-Rückkehr“ von Filmen und Geschichten, aber auch aus Medienberichten und dem eigenen Leben. Immer handelt es sich um eine oder mehrere Personen, die den risikoreichen Weg vom Vertrauten ins Ungewisse wagen.

Der Mythenforscher Joseph Campbell nun hat Erzählungen von Helden aus aller Welt analysiert und daraus die Essenz gefiltert, die er  „Monomythos des Helden“  nannte. Diese Akteure – ob fiktiv oder real,  ob Mann oder Frau, ob Kind oder Jugendlicher, ob heute oder gestern, ob viele oder einer…. gehen einen Weg, begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, auf eine „Heldenreise“.

Jochen: Der Monomythos also als „Blaupause“ für Veränderungsprozesse. Das ist spannend. Und diese Blaupause verwendet ihr in Euer Arbeit mit Firmen und Organisationen?

Nina: Ja genau. Denn viele Unternehmen glauben immer noch, dass sie mit einem Mehr an Planung, Steuerung und Kontrolle ein Gegengewicht zur den schnelllebigen immer komplexeren Dynamiken schaffen. Doch damitwirklich neue Prozesse in Gang gesetzt werden, braucht es meiner Meinung nach viel mehr Kompetenzen im Umgang mit Ungewissheit, sprich: Mut, Kreativität, Verantwortung, Selbstbestimmtheit und Intuition. Wenn sich heute Menschen, Teams oder Unternehmen mit Change und Innovation „herumschlagen“, meistern sie aus meiner Sicht nichts anderes als „Heldenreisen“ – so wie unzählige Menschen vor ihnen.

Jochen: Und Eure Kunden lassen sich darauf ein?

Nina: In innovativen Unternehmen rennen wir da in der Tat offene Türen ein,  andere sind dagegen eher in ihren Mustern und Handlungsgerüsten gefangen,  sprechen viel von Erneuerung aber suchen Lösungen im „mehr von desselben“.

Unsere Ausgangsüberlegung war, dass uns das Erkennen dieses archetypischen Musters mit seiner in Metaphern verpackten inneren Weisheit hilft, die verschiedenen Ebenen von Erneuerung zu durchdringen und gestalten zu lernen. In unserem Verstehen geht es gerade darum, auch in schwierigen ungewissen Situationen handlungsfähig und kreativ zu sein. Dazu müssen Menschen ihre schöpferische und intuitive Seite herausbilden bzw. dieses Potenzial wieder entdecken. Das braucht andere Werte,  eine andere Führungskultur, mehr Vertrauen in und Fähigkeiten von Menschen, das Zulassen von Emotionalität und Intuition.

Jochen: Das ist dann Euer Heldenprinzip, oder?

Nina: Das Heldenprinzip®  macht den kollektiven Erfahrungsschatz der Menschheit für heute zugänglich. HELD bezeichnet die Akteure der Veränderung und PRINZIP steht für seine universelle Schrittfolge. Seine Struktur schafft einen Orientierungs- und Handlungsrahmen, um inneren und äußere Prozessdynamiken erfolgreich zu gestalten, deshalb nennen wir es „Kompass für Innovation und Wandel“. Vielfältigen Methoden aus Kunst, Systemik, Gestaltarbeit und Management helfen dass die Akteure (Helden und Heldinnen des Veränderungsprozesses) schöpferische Potenziale entfalten, um Krisen, Aufbrüche und Umbrüchen zu meistern.

Jochen: Beschreib doch bitte die Schritte eures Heldenprinzip®?

 Nina: Der Veränderungsprozess, wie ihn das Heldenprinzip® zeigt, findet auf zwei grundsätzlich verschiedenen Ebenen statt:  – die gekannte Welt (gewohnten Muster und Routinen) und die unbekannte Welt (fremdes Terrain und der ungewohnte Herausforderungen). Diese beiden Welten sind durch eine Schwelle getrennt.

Das Geschehen kann man in drei Akte unterscheiden, die sich in ihren Aufgaben und Dynamiken voeneinander unterscheiden:

 1. Akt: Aufbruch:Der Held (Mensch / Team / Organisation) erhält von innen oder außen einen Ruf, sich von der  alten Welt, ihren Mustern und Strukturen zu lösen, um sich für seine Bestimmung ins Ungewisse zu wagen. Eine Not oder eine Vision fordern heraus. Im Fokus steht: Die Entwicklung der Bereitschaft, sich zu lösen, um etwas noch vage Zukünftiges zu erringen.

2. Akt: Abenteuer

Der Held (Mensch / Team / Organisation) bewältigt herausfordernde Bewährungen, bei denen im Voraus nicht klar sein kann, worin sie bestehen. Im Fokus steht hier: Die Öffnung für eine schöpferische Auseinandersetzung in widersprüchlichen Bewährungsproben sowie der Erwerb neuer Denk- und Handlungsmuster.

3. Akt: Rückkehr

Der Held (Mensch / Team / Organisation) wappnet sich, die unbekannte Welt wieder zu verlassen, um die Errungenschaften in der alten Welt, zu entfalten. Im Fokus stehen: Das Auslösen von Wirkung, Implementieren und Verstetigen der erworbenen Kompetenzen.

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Jochen: Hast Du konkrete Beispiele, wie das dann in Projekten mit Kunden aussehen kann?

Nina: Der erste Unterschied liegt natürlich darin, ob wir einen personalen oder einen organisationale Prozess analysieren, begleiten oder reflektieren. Zweifelsohne ist ein Veränderungsprozess, in den viele Menschen oder  sogar Organisationseinheiten involviert sind, schwieriger zu handhaben. Denn die unterschiedlichen Beteiligten sind nicht alle unbedingt an der gleichen Stelle im Prozess. Haben alle den Ruf gehört? Ist er bereits ein gemeinsam geteiltes Anliegen? Sind vielleicht einige schon bereit für den Schwellenübergang ins unbekannte Land, wohingegen andere aber noch tief in der Weigerung stecken?

Ist die Organisationskultur so weit, dass sie die Beteiligen ermutigt, Neues zu erproben; zu üben, auch Fehler machen zu dürfen? Wie geht man mit großen Herausforderungen oder gar teilweisen Niederlagen um? Wie wird nach den großen Prüfungen im Alltag tatsächlich die Erneuerung verankert?  Wie bewusst wird eine Ruhe-und Erholungsphase eingeräumt, um das Unternehmen nicht an den Rand des burn outs zu führen.

Beobachtungen und Wahrnehmungen stehen am Beginn, damit passende Begleitsequenzen gefunden werden, die Jeden wertschätzen. Auf dem Weg soll möglichst niemand „verloren“ gehen. Veränderungsprozesse sind nicht über das Knie zu brechen und nicht von der Stange zu haben. Jeder Prozess muss mit Sensibilität und Kraft gestaltet werden.

Wir bieten u.a. Jahreszyklen für Führungskräfte von Unternehmen an, in dem diese in einer co-kreativen Gemeinschaft lernen, den Weg der Organisation neu zu überdenken, zu spüren und anders zu lenken.

Es gibt viele Ideen für Formate für das Heldenprinzip®  in Organisations – und Personalentwicklung: Workshops, Coaching, Labore, Retreats; denn die Fähigkeit schöpferisch mit Veränderung umzugehen, brauchen wir in vielfältigsten Facetten.

Jochen: Welche Pläne hast Du für die Zukunft? Wie geht es weiter mit dem Heldenprinzip?

Nina: Mein ganz persönlicher Ruf ist es, mit dem Heldenprinzip® und schöpferischen Arbeitsmethoden meinen kleinen Beitrag für das Gelingen des Wandels zu leisten.

Das Forschungsprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung „Innovationsdramaturgie nach dem Heldenprinzip“ (2009-2013), eine Kooperation der Universität der Künste und der Hochschule für Technik und Wirtschaft, ging Ende 2013 zu Ende. Seither werden die Ergebnisse und Erfahrungen in der Praxis der Personal- und Organisationsentwicklung von Deutschland, Österreich und in der Schweiz etabliert; über interaktive Vorträge und konkrete Angebote für Einzelpersonen, Teams und Unternehmen.

Um die Verbreitung, aber auch die Qualität der Arbeit zu sichern, bieten wir an der Universität der Künste| Berlin Career College eine Weiterbildung mit Hochschulzertifikat an. Hier bieten wir Experten, die professionell in Innovations- und Veränderungsprozessen tätig sind, (Trainer, Berater und Change Begleiter) eine „schöpferische Gebrauchsanleitung“ für den kunstvollen Umgang mit Veränderung an. In zwei Kurse a drei Modulen erweitern die Teilnehmenden ihr  Know How um archetypische (mythologische), dramaturgische, künstlerische und psychologische Dimensionen der Veränderung. Sie erhalten damit außergewöhnliche Impulse für Diagnose, Begleitung und Reflexion von Veränderungsprozessen und methodische Inspiration für ihre berufliche Praxis. (www.innovation-heldenprinzip.de)

Jochen: Und zu guter Letzt: wie würden denn der Held Deiner Kindheit heutzutage mit dem Wunsch nach Innovation umgehen? Was kann eine Firma von ihm lernen?

Nina: Tja, welche Innovation könnte sich Aschenputtel wünschen?

Geht es um das Finden innovativer Produkte oder eine Maschine, mit der sie die Erbsen sortieren kann (denn die schönen Kleider machen es überhaupt erst möglich, dass sie Eintritt ins Schloss erhält und die Täubchen helfen ihr beim Erbsenauslesen)?

Ich glaube, dass es vielmehr um eine Haltung zum Leben geht: Nicht aufgeben – Freunde gewinnen, die helfen – kooperieren. Sie hält nicht fest an den ach so wichtigen Dingen (der goldene Schuh klebt an der Treppe fest, sie geht ohne ihn weiter. Sie bleibt trotz schlimmer Erfahrungen im Vertrauen, dass das Gute sich durchsetzen wird und das Gemeine, Habsüchtige und nur auf den eigenen Vorteil bedachte Handeln letztendlich den Kürzeren zieht. Selbst wenn die bösen Schwestern dem gierigen Rat der Mutter folgend sich die Füße verstümmeln lassen um als Königin in Geld und Reichtum zu schwelgen, wird ihr Verhalten ruchbar und bestraft.

 Das könnte eine Firma von Aschenputtel lernen – nicht nur den eigenen Vorteil zu sehen, sondern das Wohl des Ganzen im Blick zu behalten.

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