{"id":2118,"date":"2015-09-04T09:12:00","date_gmt":"2015-09-04T08:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2118"},"modified":"2015-09-04T18:20:31","modified_gmt":"2015-09-04T17:20:31","slug":"rock-nroll-ist-fast-wie-design-thinking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2118","title":{"rendered":"Rock n\u00b4Roll ist (fast) wie Design Thinking"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Johannes-2014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-2122 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Johannes-2014.jpg\" alt=\"Johannes 2014\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Johannes-2014.jpg 400w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Johannes-2014-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Johannes-2014-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>Johannes Meyer unterst\u00fctzt neben der Konzeption und Moderation offener Methodentrainings, Organisationen in kompakten Formaten dabei, Design Thinking auf eigene Innovations-fragestellungen anzuwenden. In zahlreichen Projekten hat er Teams aus verschiedenen Industrien bei der kreativen Entwicklung von Produkten, Services, Marken und Prozessen begleitet.<\/em><br \/>\n<em>Er war als Lehrer in Sri Lanka und studierte in Potsdam und Atlanta Kulturwissenschaften, Medien und Betriebswirtschaft. Nach dem Zusatzstudium an der D-School wurde er Design Thinking Consultant bei SAP und arbeitete an Innovationen f\u00fcr Rechnungswesen, Handel und Banken. Neben seiner Arbeit ist er S\u00e4nger der Berliner Rockband DOWN TO NINE, begeisterter Koch und Rucksackreisender.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jochen: Hallo Johannes, toll, dass Du Dir Zeit f\u00fcr ein Interview nimmst. Ich kenne Dich ja vor allem von der &#8222;Workshop-B\u00fchne&#8220; als wunderbaren Moderator von Design Thinking Workshops &#8211; was h\u00e4lt denn der Rocker in Dir von Deiner &#8222;B\u00fchneshow&#8220; bei Workshops?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Vielleicht \u00fcberrascht das, aber zwischen Workshops und einem Auftritt mit einer Rockband gibt es unglaublich viele Parallelen: Es geht darum Menschen mitzurei\u00dfen, einen \u201eFlow\u201c entstehen zu lassen &#8211; dabei sich selbst als Person treu zu bleiben und im Team zu funktionieren. Dabei findet jeder seine goldene Mischung aus akribischer Vorbereitung und Improvisation.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Und wie w\u00fcrde das klingen, wenn der Design-Thinker bei der Band zum Mikrophon greifen w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Tats\u00e4chlich ist eine Band aus meiner Sicht auch nichts anderes als ein komplexes Designteam. Eine Gruppe von Menschen mit verschiedenen St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Perspektiven versucht in einem gemeinsamen kreativen Prozess etwas zu schaffen, das vorher noch nicht da war. Dabei kommen meiner Meinung nach viele Design-Thinking-Prinzipien zum Tragen.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Das interessiert mich nun. Hast Du da Beispiele daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Auch in der Musik gibt es so etwas wie qualitative Designforschung \u2013 also Gelesenes, Geh\u00f6rtes, neu Kombiniertes, das einen inspiriert. Nichts kommt von nichts. Dabei darf man sich nicht auf das beschr\u00e4nken was H\u00f6rer sich w\u00fcnschen, denn dann kopiert man letztendlich nur Dinge, die es schon gibt.<\/p>\n<p>Und dann: Auch musikalische Ideen m\u00fcssen durch Machen bzw. Spielen und Ausprobieren weiterentwickelt werden. Je mehr man nur redet, desto erm\u00fcdender wird es, da bei vier verschiedenen Instrumenten sowieso jeder eine andere Sprache spricht und man sich st\u00e4ndig missversteht. Das gleiche kennt man aus Meetings, in denen allein durch diskutieren komplexe Innovationsfragestellungen gel\u00f6st werden sollen. Egal ob im Proberaum oder im Innovationsprojekt \u2013 man besch\u00e4ftigt sich mit Dingen, die noch nicht da sind. Ohne ausprobieren, zeigen, anschaulich machen geht es einfach nicht.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Ein Instrument spielt sich eben auch nicht von alleine. Welche \u00dcbereinstimmung siehst Du noch?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Kreative Arbeit in einer schreibenden Band braucht aus meiner Sicht eine Menge Disziplin. Jemand muss den Prozess moderieren, Entscheidungen erzwingen, der Schlagzeuger muss auch mal still sein k\u00f6nnen (nat\u00fcrlich ein v\u00f6llig zuf\u00e4llig gew\u00e4hltes Beispiel). Diesen Bedarf an Struktur sehe ich auch in Innovationsprojekten.<\/p>\n<p>Desweiteren werden unsere Rocksongs bei uns so wie Produkte und Services iterativ entwickelt: Von einem kleinen Fragment, das aufgenommen wird \u00fcber viele Proberaumaufnahmen zum schicken Studio-Track. Wir haben auch schon St\u00fccke auf der B\u00fchne \u201egeprototyped\u201c, die noch nicht fertig waren, zu denen wir aber Feedback von unseren Fans brauchten.<\/p>\n<p>Und schlussendlich: Das Ganze ist anstrengend, erfordert Geduld, Empathie und viel Zuh\u00f6ren. Wenn einem einzigen Teammitglied die Konzentration fehlt ,wird es f\u00fcr alle unproduktiv und man sollte lieber eine Pause machen.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Viele Menschen verzweifeln meiner Meinung nach oft an dem Glauben, sich entscheiden zu m\u00fcssen zwischen verschiedenen Vorlieben oder Dingen, die man gerne tut und auch gut kann. Du lebst das UND finde ich sehr gut und bist Design Thinker UND Musiker. Wie f\u00fchlt sich das UND an f\u00fcr Dich?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: V\u00f6llig gut nat\u00fcrlich &#8211; halt Rock n\u00b4 Roll den ganzen Tag. J<\/p>\n<p><strong>Jochen: Was ist denn dann Dein Tip f\u00fcr alle, die im &#8222;ENTWEDER &#8211; ODER&#8220; feststecken?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Vielleicht liegt eine m\u00f6gliche L\u00f6sung darin, den gemeinsamen Kern von Liebhabereien und Projekt oder Job hauszuarbeiten? Was steckt wirklich dahinter, wenn du lieber ein Caf\u00e9 h\u00e4ttest als ins B\u00fcro zu gehen? Ist es die alchemistische Kunst am Kaffee? Das Gastgeber sein? Oder das Gef\u00fchl einen \u201eeigenen Laden\u201c zu haben? Vielleicht sind solche Dinge ja auch im Job vorhanden oder integrierbar und k\u00f6nnen als \u00fcbergreifende Eigenschaft ausgelebt werden.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Thema &#8222;kreativ sein&#8220; &#8211; wir reden ja in unseren Workshops viel vom &#8222;kreativ sein&#8220; und was es daf\u00fcr braucht. Stimmt das so f\u00fcr Dich als Rockmusiker auch? Wie bist Du beim Musikmachen kreativ? Und kann sich der Design Thinker da noch was abgucken davon?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Das ist eine wirklich spannende Frage.<\/p>\n<p>Eine neue Idee entsteht in unserer Band meist aus einem Wechsel aus alleine zu Hause rumklimpern, im Proberaum gemeinsam probieren, dann wieder alleine Texte schreiben, gemeinsam probieren, bis am Ende einer den Deckel drauf macht und sagt: Aus all diesen Experimenten schlage ich diesen fertigen Song vor!<\/p>\n<p><strong>Jochen: Das hei\u00dft, ihr sitzt daf\u00fcr nicht alle die ganze Zeit gemeinsam im Studio?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Nein, absolut nicht. Dieser kreative Prozess hat interessanterweise eine ganze Menge eher kontemplative R\u00fcckzugsphasen. Ich glaube, dem k\u00f6nnten wir im Design Thinking oft noch mehr Raum geben.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Vielleicht so, wie das in der Theory U gemacht wird? Spannende \u00dcbereinstimmung.<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Ja, zum Beispiel! Wenn wir Teamarbeit als Zusammenarbeits-Imperativ erzwingen, \u00fcberfordern wir manche Menschen, die einfach auch ein stilles, zur\u00fcckgezogenes Ambiente zum kreativ sein brauchen. Interessanterweise habe ich f\u00fcr mich erkannt: Auch wenn ich viel auf B\u00fchnen stehe, sind meine Kreativ- und Erholungsphasen solche, in denen wenig passiert und ich allein bin. Letztens hat mir jemand gesagt, dass das daf\u00fcr spricht, dass ich eigentlich ein introvertiert veranlagter Mensch bin. Wenn ich das Menschen in meinen Workshops oder bei Konzerten erz\u00e4hle, lachen sie mich allerdings aus.<\/p>\n<p><strong>Jochen: Stimmt, das mag man Dir als \u201eRampensau\u201c so gar nicht zutrauen. Ich kenne das aber auch von mir! Letzte Frage: wann starten wir unser n\u00e4chstes Buchprojekt und \u00fcber was wollen wir schreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Johannes: Als ich englische Linguistik studiert habe wollte ich ein Buch nur \u00fcber das Wort FUCK schreiben, und tr\u00e4umte davon wie es, in roten Samt eingebunden und mit goldenen Lettern in Universit\u00e4tsbibliotheken stehen w\u00fcrde. Das Projekt ist noch offen.<\/p>\n<p>Davon abgesehen \u2013 wann sollte man ein Buch schreiben? Wenn man etwas zu sagen hat? <em>Lass uns eins schreiben wenn wir glauben etwas verstanden zu haben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Jochen: Darauf freue ich mich heute schon. Vielen Dank f\u00fcr Deine Zeit und weiterhin viel Spa\u00df beim Rocken und Workshopen.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DOWN-TO-NINE-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2120\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DOWN-TO-NINE-2.jpg\" alt=\"DOWN TO NINE 2\" width=\"641\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DOWN-TO-NINE-2.jpg 641w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DOWN-TO-NINE-2-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Photo von Boris Kownatzki von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/b.bildert\" target=\"_blank\">b.bildert<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Meyer unterst\u00fctzt neben der Konzeption und Moderation offener Methodentrainings, Organisationen in kompakten Formaten dabei, Design Thinking auf eigene Innovations-fragestellungen anzuwenden. 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