{"id":2192,"date":"2015-11-28T21:28:52","date_gmt":"2015-11-28T20:28:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2192"},"modified":"2015-11-28T21:28:52","modified_gmt":"2015-11-28T20:28:52","slug":"echte-handarbeit-und-spirituelles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2192","title":{"rendered":"Echte Handarbeit und Spirituelles"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07281.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2194\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07281.jpg\" alt=\"DSC07281\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach den ersten Tagen unterwegs, gew\u00f6hne ich mich mehr und mehr an die morgendlichen Rituale. Entweder bin ich sowieso schon wach oder werde von bellenden Hunden, einer hustenden und schnupfenden Ellen oder von trampelnden Mitwanderern geweckt. Die meisten Lodges bestehen n\u00e4mlich vor allem aus zusammengezimmerten Sperrholzplatten, und wenn da der morgendlich motivierte Wanderer in seinen Bergstiefel dar\u00fcber poltert, wackeln die W\u00e4nde und ich bin wach.<\/p>\n<p>Danach folgt ein meist kurzer aber intensiver Kampf mit meinem inneren Schweinehund, der noch im ach so sch\u00f6n kuscheligen Schlafsack lieben bleiben m\u00f6chte Ab und an schenke ich ihm noch f\u00fcnf zus\u00e4tzliche wunderbare Minuten, diesen Kampf kann er aber nur verlieren, denn schlie\u00dflich ruft der Berg. Also raus in die K\u00e4lte und schnell die im Schlafsack vorgew\u00e4rmte Unterw\u00e4sche anziehen, die Wanderhose \u00fcberstreifen, die ich unter (!) dem Schlafsack warm gehalten haben (Danke Ellen, f\u00fcr diesen Tipp), den Fleece dr\u00fcber, die Wanderschuhe geschn\u00fcrt und ab zum Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Die morgendliche Katzenw\u00e4sche gibt es meist noch w\u00e4hrend dem Z\u00e4hneputzen \u2013 das bei eiskaltem Wasser f\u00fcr meine doch so empfindlichen Zahnh\u00e4lse jedes Mal eine kleinen Herausforderung darstellt.<\/p>\n<p>Apropos Fr\u00fchst\u00fcck: was mir die veg noodle soup am Mittag und das Dhal Bhat am Abend ist, wird f\u00fcr mich das tibetian bread am Morgen. Eine liebgewonnene Gewohnheit, die ich entweder mit Honig oder Marmelade vers\u00fc\u00dfe und mit meist zwei Tassen coffee with milk garniere. Der Tag kann kommen.<\/p>\n<p>Heute geht es in einer sch\u00f6nen Runde rund um Namche Bazar. Die 4000 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel werden wir erst morgen knacken, denn Markus bremst nach wie vor unseren (H\u00f6hen-) Eifer und l\u00e4sst uns nur schrittweise aber dadurch umso nachhaltiger akklimatisieren.<\/p>\n<p>Kurz vor 9 Uhr brechen wir auf und schon knapp eine Stunde sp\u00e4ter stehen wir hoch \u00fcber Namche und genie\u00dfen die pr\u00e4chtige Aussicht auf die zahllosen Geb\u00e4ude, die sich scheinbar an den steilen H\u00e4nge festhalten.<\/p>\n<p>Auch wenn es gleich richtig steil und staubig nach oben geht, geht es mir gut. Die Puste reicht, die Kopfschmerzen sind meilenweit entfernt und meine Beine sind flink unterwegs heute. Da reicht es noch f\u00fcr einen entspannten Plausch mit Markus und Peter, die zusammen wohl schon ganz andere Bergabenteuer gemeistert haben.<\/p>\n<p>Dem ersten steilen Anstieg folgen nun saftig-gr\u00fcne Almweiden, die von Yaks und Yans bev\u00f6lkert werden. Wir finden Edelwei\u00df wie Sand am Meer und der Himmel ist nach den ersten eher nebelig-grauen Tagen so blau-wei\u00df geputzt, dass er selbst den niederbayerischen Anspr\u00fcchen von Georg gerecht wird.<\/p>\n<p>Gegen Mittag dann das eindeutige Schmankerl des Tages. Wir biegen um einen letzten Bergr\u00fccken, der uns lange Zeit die Sicht versperrt hat und unmittelbar vor uns erheben sich mit einem Male die h\u00f6chsten Gipfel der Erde, angefangen mit dem Everest ganz im Hintergrund, gefolgt von Lhotse, Nuptse, und der Ama Dablam, dem wohl sch\u00f6nsten Gipfel in dieser Aussichts-Runde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07297.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2195\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07297.jpg\" alt=\"DSC07297\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie oft werde ich diese Gipfel in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen bewundern, wie oft wird man und frau mir die Namen der Gipfel nennen und wie oft werde ich diese auch gleich wieder vergessen! Namen sind bei dieser so gewaltigen Sch\u00f6nheit doch nicht mehr als Schall und Rauch wie ich finde, und daher sitzen und liegen wir fast eine Stunde in der Almwiese und lassen diese Sch\u00f6nheit auf uns wirken.<\/p>\n<p>Ich bin ganz ergriffen und bin dankbar das erleben zu d\u00fcrfen. Schon jetzt ist diese Reise ein echtes Highlight f\u00fcr mich, an das ich mich sicherlich immer erinnern werde.<\/p>\n<p>Markus schie\u00dft das erste clearskies-Gruppenfoto, dem noch etliche folgen werden, bei so vielen H\u00f6hepunkten, die es f\u00fcr uns noch zu erklimmen und zu genie\u00dfen gibt.<\/p>\n<p>Unsere erste Teepause verbringen wir auf der Terrasse des Everest View Hotel, das auf 3880 H\u00f6henmetern wohl vor allem japanischen G\u00e4sten sehr eindrucksvolle aber wohl auch recht kostspieligen Zimmer mit Aussicht bietet. Das Hotel wirbt damit, das h\u00f6chstgelegene Hotel der Welt zu sein. Hubschrauberlandeplatz inklusive versteht sich. Der aber allem Anschein nach mindestens genauso oft f\u00fcr den schnellen R\u00fccktransport von h\u00f6henkranken Japanern gebraucht wird, als f\u00fcr den Hintransport der selbigen. Denn auch das komfortabelste Hotel kann eine richtige Akklimatisation nicht ersetzen, Spa und Champagner hin oder her.<\/p>\n<p>Wir lassen uns den mint tea und die coconout cookies, die uns unsere ganze Reise begleiten werden, aber dennoch oder gerade deswegen pr\u00e4chtig schmecken, ein Japaner l\u00e4sst sich aber die ganze Zeit nicht blicken.<\/p>\n<p>Danach geht es frohgelaunt und mit viel Sonne am Himmel und im Herzen weiter nach Khumjung, wo wir unsere Mittagspause einlegen. Wir sind wohl ein wenig \u201ezu fr\u00fch\u201c dran und m\u00fcssen auf veg noodle soup, veg fried noodles und allen anderen Leckereinen ein wenig warten. Was uns aber die Gelegenheit gibt, die Baustelle nebenan ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen.<\/p>\n<p>Das Haus wird nach dem Erdbeben gerade wieder aufgebaut und folgt einem Muster, das wir fast jeden Tag beobachten k\u00f6nnen. Zuerst entsteht ein Rahmen aus Holz, der dann mit vielen Steinen ausgemauert wird. Die Innenw\u00e4nde werden dann meist mit den schon erw\u00e4hnten Sperrholzplatten versehen und oben drauf kommt dann das Dach \u2013 meist ohne nennenswerte zus\u00e4tzliche Isolierung.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr mich beeindruckteste dabei ist die beispiellose Handarbeit, mit der die meist 10 bis 20 Arbeiter auf der Baustelle dabei vorgehen. Einfachstes Werkzeug wie Hammer, Meisel, S\u00e4ge, und Hobel m\u00fcssen gen\u00fcgen, um am Ende wirklich sch\u00f6ne H\u00e4user zu bauen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07381.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2196\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07381.jpg\" alt=\"DSC07381\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das H\u00e4mmern der Steinhauer ist ein Ger\u00e4usch, das mich fast die ganze Reise \u00fcber begleitet und mich fasziniert wie sich die hand-gehauenen Steine aus Granit am Ende fast Millimeter-genau zusammenf\u00fcgen. Ein Steinhauer schafft normalerweise sieben bis acht Steine pro Tag, und so ist es kein Wunder, dass sich die Geschwindigkeit \u201eam Bau\u201c vor allem an der Anzahl der eingesetzten Arbeiter entscheidet. Elektrische Maschinen gibt es keine, Solar-betriebenes Ger\u00e4t k\u00f6nnte das Bauwesen in Nepal aber revolutionieren denke ich.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag sind wir dann schon wieder in Namche und ich f\u00fchle mich in den Gassen fast schon heimisch, als ich zusammen mit Georg und Andreas noch zur mittlerweile fast schon traditionellen cinemon role in der \u2013 logisch! &#8211; german bakery schlendere.<\/p>\n<p>Das free wifi lockt mich zwar auch, zumal alle anderen direkt ins weltweite Netz abtauchen. Ich bleibe dieses Mal aber standhaft, m\u00f6chte ein wenig Abstand zum What\u00b4s app-Alltag halten und nehme mir vor, erst n\u00e4chster Woche wieder digitale Lebensgr\u00fcsse in die Heimat zu schicken.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Abendessen besuchen Christian, Andrea, Peter, Miriam, Ellen und ich noch das kleine Kloster von Namche. Ellen und ich vor allem aus Interesse, die anderen auch um ihre gerade erstandenen Xi-Steine weihen zu lassen. Diese Steine gelten bei den Tibetern als besonders heilig und den Bergsteigern in aller Welt sind sie gesch\u00e4tzter Gl\u00fccksbringer und Talisman.<\/p>\n<p>Der M\u00f6nch im klassischen rot-orange empf\u00e4ngt uns mit einem breiten Grinsen, vielleicht auch weil er sich freut Besuch zu bekommen, da er das kleine Kloster derzeit ganz alleine bewohnt. Er ist gegen eine kleine Spende gerne bereit, die gew\u00fcnschte Zeremonie durchzuf\u00fchren, und so sitzen wir schon wenige Minuten \u201estr\u00fcmpfig\u201c und gespannt in der prunkvoll ausgemalten Gebetshalle. Der \u00fcberlebensgro\u00dfe goldene Buddha thront nicht zu \u00fcbersehen \u00fcber allem.<\/p>\n<p>Der M\u00f6nch bl\u00e4ttert in einem kleinen goldverzierten B\u00fcchlein, scheint das passende Spr\u00fcchlein zu finden und leg mit lautem Gemurmel los. Das fast so klingt, als ob er die zu weihenden Xi-Steine im Mund hat, so unverst\u00e4ndlich sind seine Gebete \u2013 zumindest f\u00fcr mich. Er wei\u00df aber allem Anschein nach, was er tut, denn von Zeit zu Zeit bl\u00e4ttert er in seinem B\u00fcchlein auf die n\u00e4chste Seite \u2013 und murmelt dann unverdrossen weiter.<\/p>\n<p>Das ist einerseits lustig und schr\u00e4g, in Anbetracht der Tatsache, dass wir gerade in einem buddhistischen Kloster im Himalaya sitzen, haben diese Momente auch etwas sehr Spirituelles f\u00fcr mich und ich schlie\u00dfe f\u00fcr ein paar Minuten die Augen, sp\u00fcre meine F\u00fc\u00dfe auf dem Boden und lausche meinem Atem. Ohm.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07472.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2197\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC07472.jpg\" alt=\"DSC07472\" \/><\/a><\/p>\n<p>Beim Abendessen bekommen wir Besuch von mehreren, mal j\u00fcngeren und mal \u00e4lteren Tanzgruppen. Denn heute ist wohl die nepalesische Variante von Halloween, und an diesem Abend wird um viel S\u00fc\u00dfes und gerne auch ein wenig Bares gebeten, daf\u00fcr aber viel gesungen und getanzt. Die meisten haben sich in ihre sch\u00f6nsten Trachten gest\u00fcrzt, und die schicken Pelsh\u00fcte der Damenwelt erkenne ich aus \u201e7 Jahre in Tibet\u201c wieder. Noch so ein Film, den ich nach meiner R\u00fcckkehr wieder mal anschauen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich lasse mit das eine oder andere Selfie mit der gut beh\u00fcteten Damenwelt nat\u00fcrlich nicht entgehen und lass mich von der Lebensfreude und dem Lachen der T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer anstecken.<\/p>\n<p>Ich bin angekommen in Nepal und freue mich auf die n\u00e4chsten Tage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den ersten Tagen unterwegs, gew\u00f6hne ich mich mehr und mehr an die morgendlichen Rituale. 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