{"id":2237,"date":"2015-12-10T17:06:54","date_gmt":"2015-12-10T16:06:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2237"},"modified":"2015-12-10T17:06:54","modified_gmt":"2015-12-10T16:06:54","slug":"aus-2-macht-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2237","title":{"rendered":"Aus 2 macht 1"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-095.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2239\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-095.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-095\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich rede ja selbst auch gerne vom Verlassen der uns allen lieb gewonnenen Komfortzone. Dann passiert was, dann wird Ver\u00e4nderung m\u00f6glich, dann lernt man und entwickelt sich weiter. Sch\u00f6n gesagt und wohl war \u2013 und trotzdem eine echte Herausforderung, wenn man es dann tats\u00e4chlich tut.<\/p>\n<p>Denn diese Reise bringt mich mehr und mehr raus aus eben meiner Komfortzone und wird gerade dadurch echte Herausforderung und umso intensivere (Lern-) Erfahrung.<\/p>\n<p>Nach dem gestrigen Gipfeltag, der uns schon mit ganz viel Sonne und traumhaften Aussichten verw\u00f6hnte, kann es heute nur \u201eschlechter\u201c werden, oder? Weit gefehlt, die Sonne strahlt mindestens so sch\u00f6n wie am Vortrag und die schneewei\u00dfen Berge um uns herum liefern so beleuchtet einmal mehr eine ph\u00e4nomenale Show.<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck war wie weiter oben schon erw\u00e4hnt um 6 Uhr in der Fr\u00fch, ich habe aber gut geschlafen und in der Tat s\u00fc\u00df getr\u00e4umt: einigen Bl\u00f6dsinn, durchaus Erotisches und andere Verr\u00fccktheiten, an die ich mich nach dem Aufwachen wie gewohnt kaum noch erinnern kann.<\/p>\n<p>Und auch das Pinkeln in der Nacht ist mittlerweile eine Routine, die mich nicht weiter st\u00f6rt und ich halbschlafend hinter mich bringe. Denn einerseits muss das bei den all Litern von <em>mint tea<\/em> oder <em>orang tea<\/em> , die ich jeden Tag in mich sch\u00fctte, einfach sein, und andererseits ist das auch immer wieder ein klitzekleines Abenteuer, das meist einer sehr \u00e4hnlichen Dramaturgie folgt:<\/p>\n<ol>\n<li>Ich muss mal!<\/li>\n<li>Ich ignoriere das konsequent und schlafe weiter.<\/li>\n<li>Ich muss mal! Dringend!<\/li>\n<li>Ich denke f\u00fcnf Minuten dr\u00fcber nach, ob es wirklich sein muss.<\/li>\n<li>Ich muss mal! Ganz dringend!<\/li>\n<li>Ok, dann los. Ich sch\u00e4le mich aus meinem Schlafsack, bewaffne mich mit meiner Stirnlampe und mache mich auf zur Toilette. Die im besten Fall direkt neben unserem Zimmer zu finden ist, im schlechtestes Fall aber in der unteren Etage oder sogar drau\u00dfen<\/li>\n<li>Endlich darf ich.<\/li>\n<li>Und jetzt nix wie zur\u00fcck ins Schlafsackbettchen und weiter schlafen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Meist nur f\u00fcnf Minuten in der K\u00e4lte, die sich aber immer sehr gut anf\u00fchlen, sp\u00e4testens dann, wenn ich zur\u00fcck in der Schlafsack-W\u00e4rme bin.<\/p>\n<p>Erstes Ziel des heutigen Tages ist der Cho La Pass auf 5420 Meter, und wieder einmal geht es steil und steiler \u00fcber \u201eBlocklandschaft\u201c, wie Markus zu sagen pflegt. Ich sag einfach \u201eStock und Stein\u201c dazu und muss den Vormittag \u00fcber ganz sch\u00f6n schwitzen. Mein Herz pumpt wie wild und da g\u00f6nne ich mir etliche Verschnaufpausen, die dann aber auch Gelegenheit geben, die wundersch\u00f6ne Natur um mich herum zu genie\u00dfen. Denn das vergisst man ab und an fast schon: denn einerseits gew\u00f6hnt man sich doch recht schnell auch an die sch\u00f6nsten Aussichten und andererseits hat man \u2013 also ich \u2013 bei all der Anstrengungen daf\u00fcr auch nicht immer den n\u00f6tigen Blick und die entsprechende Mu\u00dfe.<\/p>\n<p>Also lege ich gerne meine Pausen ein, atme tief durch, klopf mir symbolisch auf die Schultern und lasse meinen Blick \u00fcber all das Sch\u00f6ne um mich herum schweifen.<\/p>\n<p>Kurz nach 10 Uhr stelle ich mich auf dem Pass zusammen mit allen anderen wieder einmal zum Mannschaftsfoto und freue mich dar\u00fcber, die n\u00e4chste Herausforderung geschafft zu haben. Doch dieses Mal bleibt uns nur kurz Zeit zum Verschnaufen, denn schon bald ruft Pradap mit seinem typischen \u201eYallah, Yallaa\u201c zum Aufbruch.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-090.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2242\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-090.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-090\" \/><\/a><\/p>\n<p>Warum er das auf Arabisch tut, bleibt mir die gesamte Reise ein R\u00e4tsel, ich gehorche aber widerstandslos, werfe mir meinem Rucksack \u00fcber und mach mich auf den Weg abw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Wieder gut unterst\u00fctzt durch meine St\u00f6cke geht es \u00fcber den Gletscher, der gut 20 Zentimeter Neuschnee tr\u00e4gt, die mich aber nicht weiter st\u00f6ren sondern das Gehen eher angenehmer machen. Bald schon sind wir wieder in gr\u00fcneren Gefilden und fast p\u00fcnktlich um die Mittagszeit erreichen wir Dzonglha, eine Ansammlung von wenigen Lodges, in der wir uns st\u00e4rken wollen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich mit einer <em>veg noodle soup<\/em>, die zwar auf sich warten l\u00e4sst, dann aber umso besser schmeckt. Und einer <em>Coke<\/em> und einem Snickers, denn das habe ich mir verdient. Ich schlie\u00dfe mich den meisten anderen an und nicke zum <em>power nap<\/em> weg, den Pradap wieder einem auf Arabisch aber nach wenigen Minuten beendet und zum Aufbruch ruft.<\/p>\n<p>Denn wir wollen heute noch eine zweite Tagesetappe bew\u00e4ltigen, um so an einem der folgenden Tage auch das Everest Base Camp besuchen zu k\u00f6nnen, das eigentlich nicht auf dem Programm gestanden w\u00e4re. Aber nat\u00fcrlich \u201eein Muss\u201c darstellt f\u00fcr alle ambitionierten Himalaya-Erst\u00fcrmer.<\/p>\n<p>Ich bin allerdings schon ziemlich geschafft, und daher freue ich mich umso mehr, mit Markus ins Gespr\u00e4ch zu kommen und mich dadurch ein wenig von den schmerzenden Beinen abzulenken. Wir reden \u00fcber seine Everest-Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre, Teamwork beim Bergsteigen, der Frage, was Manager beim Bergsteigen lernen k\u00f6nnen und \u00fcber die mentale Seite beim Bergsteigen. \u00dcber den <em>flow<\/em>, der sich einstellt, wenn Markus meist alleine einer seiner Schnellbesteigungen macht und sich in Momenten totaler Konzentration quasi selbst dabei beobachten kann.<\/p>\n<p>Passend dazu zeigt sich die Ama Dablam rechts von uns immer wieder mal mehr, mal weniger in Nebel eingeh\u00fcllt von ihrer beste Seite und ich habe gr\u00f6\u00dften Respekt vor Markus, dass er diesen Gipfel alleine und wohl in Weltrekordzeit bestiegen hat.<\/p>\n<p>Die letzte Stunde laufe ich zusammen mit Miriam und Pradap am Ende der Gruppe, wir sind aber alle viel zu m\u00fcde, um das Feld noch einmal von hinten aufzurollen. Am sp\u00e4ten Nachmittag stehen wir dann aber stolz und zufrieden vor unserer Lodge in Lobuche. Die Tagesbew\u00f6lkung l\u00f6st sich fast zur gleichen Zeit auf und umrahmt von Pumori und Nuptse konnten wir einen eigentlich unbeschreiblichen Sonnenuntergang auf rund 5000 Meter Seeh\u00f6he genie\u00dfen. Das sind dann die Anstrengungen des Tages fast schon wieder vergessen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-096.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2240\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-096.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-096\" \/><\/a><\/p>\n<p>Morgen d\u00fcrfen wir wieder l\u00e4nger schlafen! Mehr als verdient denke ich mir. Denn meine Beine sind nach den Anstrengungen der letzten Tage schwer und den Schwei\u00df der vielen H\u00f6henmeter steckt mir im wahren Sinne des Wortes unverkennbar in den Kleidern.<\/p>\n<p>Die k\u00f6rperlichen Anstrengungen tun mir aber gut, mein Kopf lehrt sich immer mehr und mein Gedankenkreisel dreht sich immer langsamer.<\/p>\n<p>Am Abend lass ich \u00fcber das weltweite Netz in der Heimat von mir h\u00f6ren, und ich freue mich, dass ich vermisst werde. Wird sch\u00f6n wieder Zuhause bei meinem Lieben zu sein, bis dahin aber genie\u00dfe ich Nepal und den Everest-H\u00f6henweg: obwohl und gerade weil er mich raus aus meiner Komfortzone bringt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-088.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2241\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-088.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-088\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich rede ja selbst auch gerne vom Verlassen der uns allen lieb gewonnenen Komfortzone. Dann passiert was, dann wird Ver\u00e4nderung m\u00f6glich, dann lernt man und entwickelt sich weiter. Sch\u00f6n gesagt und wohl war \u2013 und trotzdem eine echte Herausforderung, wenn man es dann tats\u00e4chlich tut. 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