{"id":2291,"date":"2015-12-18T12:12:18","date_gmt":"2015-12-18T11:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2291"},"modified":"2015-12-18T12:12:18","modified_gmt":"2015-12-18T11:12:18","slug":"froh-dabei-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=2291","title":{"rendered":"Froh dabei zu sein"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-183.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2295\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-183.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-183\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich stehe kurz nach halb 9 am Morgen im <em>departure room<\/em> des <em>International Airports<\/em> in Kathmandu. Nach zwei Tagen in der nepalesischen Hauptstadt geht es nun endg\u00fcltig \u00fcber Delhi und Frankfurt zur\u00fcck in meine Karlsruher Heimat.<\/p>\n<p>Zusammen mit Ellen lasse ich mir die Sonne auf den R\u00fccken scheinen, und schaue mir das bunte Treiben vor mir an. Denn der Raum ist v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt mit Reisenden aus allen Herren L\u00e4ndern und ich bef\u00fcrchte, dass sich das so schnell auch nicht \u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Wohl auf Grund \u201eschlechter Wetterverh\u00e4ltnisse\u201c sind etliche Fl\u00fcge versp\u00e4tet oder gar ganz gestrichen. Der blaue Himmel drau\u00dfen vor den milchigen Fenstern sieht f\u00fcr mich zwar nicht nach Schlechtwetter aus, aber auch unser Flug wird zuerst um 10 Minuten, dann um 30 Minuten und schlie\u00dflich fast um zwei Stunden verschoben.<\/p>\n<p>Gestern Abend haben wir noch einmal Abschied gefeiert \u2013 bei Bier und Pizza. Nach dem vielem Tee und dem fast t\u00e4glichen Dhal Bhat war das n\u00e4mlich unser absolutes Lieblingsmen\u00fc w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes in Kathmandu.<\/p>\n<p>Den Tag zuvor war ich noch mitten in der herrlichen Bergwelt rund um Lukla. Nach einer (fast) durchtanzten und dementsprechend kurzen Nacht hei\u00dft es fr\u00fchmorgens aufstehen, ein letzten Mal den Schlafsack zusammenrollen und alles im <em>duffle bag<\/em> verstauen. Bei aller Vorfreude auf Zuhause f\u00fchle ich auch viel Wehmut, da unsere Reise nun dem Ende zu geht.<\/p>\n<p>Das Packen geht aber fast von selbst, denn einerseits habe ich mittlerweile gen\u00fcgend Erfahrung und zum anderen fehlen nun all die Teile, die ich bei der Tombola den Tr\u00e4gern \u00fcberlassen habe. Vor allem die schweren Bergstiefel schaffen Platz f\u00fcr Souvenirs und meine roten Turnschuhe werden mich sicherlich auch gut \u00fcber die Stra\u00dfen von Kathmandu bringen.<\/p>\n<p>Die Tr\u00e4ger verabschieden sich von uns mit den klassischen wei\u00dfen T\u00fcchern und sind sichtlich verlegen dabei. Wie ich erst jetzt erfahre, kommen alle F\u00fcnf aus dem gleichen Dorf, das sind in zwei z\u00fcgigen Tagesm\u00e4rschen erreichen werden. Ohne schweres Touristengep\u00e4ck auf dem R\u00fccken, aber so hoffe ich mit einem guten Lohn in der Tasche, und ein paar sch\u00f6nen Erinnerungen obendrein.<\/p>\n<p>Der Flughafen in Lukla empf\u00e4ngt uns dann wieder mit der inzwischen wohlbekannten aber auch liebgewonnenen nepalesischen Variante von Ordnung und wie schon beim Hinflug stapeln sich in der kleinen Abflughalle Taschen, Material und die dazugeh\u00f6rigen Wanderer.<\/p>\n<p>Wir bekommen Flug Nummer 3, d\u00fcrfen aber in der eiskalten Halle noch fast eine Stunde warten. Dann aber nehmen uns wie schon beim Hinflug zwei sehr entspannte und wunderbar uniformierte Ray Bans und eine ebenso attraktive Stewardess in Empfang. Pradap\u00b4s Sitzgurt funktioniert leider nicht und er ist schon dabei sich von uns zu verabschieden. Ein pfiffiger Flughafenmitarbeiter l\u00f6st das Problem aber dadurch, dass er den Gurt kurzerhand mit einem St\u00fcck Seil fixiert. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.<\/p>\n<p>Mit viel Standgas und damit ordentlich Schwung gelingt uns dann ein musterg\u00fcltiger Start und keine 15 Minuten sp\u00e4ter verabschiede ich mich mit einem leisen \u201eServus\u201c von den letzten Himalaya-Riesen, die langsam am Horizont verschwinden.<\/p>\n<p>Und dann: Kathmandu! Zur\u00fcck im gro\u00dfst\u00e4dtischen L\u00e4rm und Chaos, das sich aber auf Grund des immer noch geltenden Benzinboykotts doch sehr in Grenzen h\u00e4lt. Auch die Hauptstadt zeigt sich im Festgewand und \u00fcber all singen und tanzen kleinere und gr\u00f6\u00dfere Gruppen. Die Tage wird das Ochsen-Fest, dass Kuh-Fest und das \u201eBruder &amp; Schwester\u201c-Fest gefeiert. Schelm, wer bei dieser Reihenfolge gewissen \u00c4hnlichkeiten vermuten will.<\/p>\n<p>Im <em>Holly Himalaya<\/em> machen Ellen und ich es uns dieses Mal eine Etage h\u00f6her gem\u00fctlich, die hei\u00dfe Dusche gibt es aber erst ab 18 Uhr. Bis dahin st\u00fcrze ich mich zusammen mit Christian, Ellen, Andrea, Andreas und Miriam im ersten Italiener am Platz auf leckerste Pizza und Pasta. Ein Genuss!<\/p>\n<p>Auf Empfehlung Markus\u00b4 wage ich mich danach zusammen mit Andreas nicht in die H\u00f6lle des L\u00f6wen, sondern in den Friseurladen von Pabu. Der n\u00e4mlich schneidet und frisiert nicht nur wie ein Weltmeister, sondern verpasst m\u00fcden Wandererschultern danach noch eine in der Tat sehr entspannende Massage. Da wird geklopft und gedehnt bis die Halswirbel knacken. Aber was soll ich sagen: danach f\u00fchle ich mich fast wie neu geboren und die Frisur und mein Bart sitzen auch ohne Dreiwettertaft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-180.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2294\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-180.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-180\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gerade wird die Verschiebung unseres Fluges nach Delhi auf nun zwei Stunden angesagt, und ich werde langsam nerv\u00f6s, da wir dort nur gute zwei Stunden Aufenthalt haben. Aber andererseits: nach drei Wochen buddhistischer Gelassenheit lasse ich den Dingen ihren Lauf, und am Ende wird auch alles gutgehen.<\/p>\n<p><em>Air India<\/em> versucht die wartenden Passagiere mit Saft und Chips zu bes\u00e4nftigen, ich belasse es aber bei einem <em>mineral water<\/em> und einem letzten gemeinsamen Snickers mit Ellen.<\/p>\n<p>Die zwei Tage in Kathmandu vergehen wie im Fluge. Ich hab viel Spa\u00df beim ausdauernden Feilschen um die besten Souvenir-Preise und f\u00fclle den freigewordenen Platz in meinem <em>duffle bag<\/em> mit Masken, Buddhas, zwei Mandalas und etlichen R\u00e4ucherst\u00e4bchen.<\/p>\n<p>Bei einem Abstecher nach Little Tibet statten wir der durch das Erdbeben zerst\u00f6rten aber auch schon wieder fast vollst\u00e4ndig aufgebauten riesigen Stupa einen Besuch ab und haben eine interessante F\u00fchrung durch eine Mandala-Schule. Das wundersch\u00f6ne riesengro\u00dfe Mandala aus Gold f\u00fcr 18.000 Dollar kaufe ich mir aber nach kurzer Umlegung doch nicht.<\/p>\n<p>Zuvor darf ich noch ein echtes Highlight miterleben. Durch Vermittlung von Christian haben wir n\u00e4mlich die M\u00f6glichkeit einer echten nepalesische Ber\u00fchmtheit einen Besuch abzustatten. Denn <em>Elisabeth Hawley<\/em> gilt als <em>the mother of Himalaya<\/em> und hat seit dem Beginn der Bergexpeditionen in Nepal dar\u00fcber Buch gef\u00fchrt . Die unz\u00e4hligen Aktenschr\u00e4nke in ihrer Wohnung zeugen auf sehr sichtbare Weise davon, und in der Tat hat sie wohl mit allen ber\u00fchmten und weniger ber\u00fchmten Bergsteigern gesprochen.<\/p>\n<p>Paradoxerweise war sie selbst den Bergriesen nie n\u00e4her als Lukla, auf Grund der unz\u00e4hligen Interviews hat sie aber wohl dennoch so ein riesiges Wissen \u00fcber m\u00f6gliche und unm\u00f6gliche Expeditionen, dass sie in der Vergangenheit oft als Expertin zu Rate gezogen wurde, wenn es darum ging, herauszufinden, ob der eine oder andere Bergsteiger wirklich den Gipfel erreicht hat.<\/p>\n<p>Die mittlerweile weit \u00fcber 80-j\u00e4hrige Frau hat auch zu Jon Krakauer\u00b4s Version des Dramas am Mount Everest ihre Meinung, die sie uns mit viel bissigem englischen Humor auch sehr gerne mitteilt.<\/p>\n<p>Zwei sehr interessante und spannende Stunden, die f\u00fcr mich den perfekten Abschluss unserer Reise darstellen.<\/p>\n<p>Die erste Nacht in Kathmandu starten wir dann bei Bier und Pizza und beenden diese dann sehr sehr viel sp\u00e4ter in Sam\u00b4s Bar. Sam ist eine \u00d6sterreicherin, die irgendwann der Liebe wegen nach Kathmandu ausgewandert ist und seitdem in Sam\u00b4s Bar einheimische und ausl\u00e4ndische Nachtschw\u00e4rmer begr\u00fc\u00dft. Der Gin Tonic flie\u00dft in echten Str\u00f6men und wir haben unendlich viel Spa\u00df. Nach dem dritten kr\u00e4ftigen und lauten Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-Hoi-Hoi-Hoi meinerseits, bittet Sam aber ein wenig um Ruhe und gegen zwei Uhr in der Fr\u00fch fallen wir alle ziemlich besoffen aber gl\u00fccklich in unsere Betten.<\/p>\n<p>Jetzt geht es doch tats\u00e4chlich los, und unser Flug nach Delhi steht zum Abflug bereit. Doch <em>Air India<\/em> verlangt mir und Ellen und unserer neu erlangten buddhistischen Gelassenheit einiges ab, denn direkt auf dem Rollfeld werden wir nochmals akribisch abgetastet und m\u00fcssen sogar unsere Rucks\u00e4cke auspacken. <em>Security first<\/em> oder reine Schikane? Ich bleibe ruhig und hoffe nur, dass wir den Anschlussflug erwischen werden.<\/p>\n<p>Und um eine lange Reise kurz zu Ende zu erz\u00e4hlen: Der Flieger in Delhi wartet auf uns, ich vertreibe mir die Zeit zur\u00fcck nach Frankfurt mit Schlafen und dem einen oder anderen Film aus dem Bordunterhaltungsprogramm und nachdem wir in Frankfurt dann wirklich als allerletzter auch unser Gep\u00e4ck vom mittlerweile g\u00e4nzlich leeren Gep\u00e4ckband stemmen k\u00f6nnen, haben wir es geschafft. Deutschland hat uns wieder.<\/p>\n<p>Ich freue mich sehr dar\u00fcber, dass mich Nils und Christian in Empfang nehmen und mich nach Hause kutschieren werden. Ich verabschiede mich innigst von Ellen, verspreche ihr hoch und heilig ihr meine Bilder schon Anfang der Woche zuzuschicken und nach zwei herrlichen Cheeseburger machen wir uns auf nach Karlsruhe.<\/p>\n<p>Nach kurzem \u201eHallo\u201c zu den eigenen vier W\u00e4nden geht es aber gleich wieder zum Willkommensbier in die Venus. Die mich brechend voll begr\u00fc\u00dft. Das \u201eHelle\u201c schmeckt aber wunderbar und ich freue mich das eine oder andere bekannte Gesicht zu entdecken.<\/p>\n<p>Ich bin aber doch sehr reisem\u00fcde, so dass ich den Zapfenstreich dieses Mal verpasse und da schon lange selig in meinem eigenen Bett tr\u00e4ume: Von unvergleichlichen Tagen in Nepal, die mich herausgefordert haben, die mich reich beschenkt haben und die ich sicherlich nie vergessen werde.<\/p>\n<p>Oder wie es der gute\u00a0Philipp Poissel zu sagen pflegt: <em>\u201eFroh dabei zu sein!\u201c<\/em> oder auch <em>\u201ees gibt im Leben viele Zeiten, das hier sind die Guten\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>Danke daf\u00fcr!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-184.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2296\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/SoluKhumbu2015-184.jpg\" alt=\"SoluKhumbu2015-184\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe kurz nach halb 9 am Morgen im departure room des International Airports in Kathmandu. 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