{"id":298,"date":"2011-08-03T15:49:06","date_gmt":"2011-08-03T14:49:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=298"},"modified":"2011-08-03T15:49:06","modified_gmt":"2011-08-03T14:49:06","slug":"schicksal-und-was-daraus-entstehen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=298","title":{"rendered":"Schicksal und was daraus entstehen kann"},"content":{"rendered":"<p><em>Manchmal kommt doch in der Tat das eine zum anderen.<\/em><\/p>\n<p>Bei mir nun in diesem Fall zwei B\u00fccher, in denen sich, obwohl ganz unterschiedlich in Stilrichtung und Intention, interessante Gemeinsamkeiten entdecken lassen.<\/p>\n<p>Da ist zum einen ein Klassiker der Gestalttherapie-Lehrliteratur: <strong>Arnold Beisser\u00b4s <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wozu-brauche-ich-Fl%C3%BCgel-Gestalttherapeut\/dp\/3872947745\" target=\"_blank\"><em>Wozu brauch ich Fl\u00fcgel<\/em><\/a><\/strong>, in dem Beisser \u00fcber sein Leben erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/9783872947741.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-302\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/9783872947741.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/9783872947741.jpg 238w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/9783872947741-170x300.jpg 170w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/9783872947741-85x150.jpg 85w\" sizes=\"auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px\" \/><\/a>Vom Leben als gefeierten Tennis-Champion, der zudem schon in sehr jungen Jahren zu Doktorw\u00fcrden kommt. Der &#8222;mitten im Leben steht&#8220; und dem wohl jeder fast alles zugetraut hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der dann aber auf den Weg in den 2. Weltkrieg pl\u00f6tzlich und unerwartet an Kinderl\u00e4hmung (Polio) erkrankt. Eine Krankheit, die damals noch unheilbar war, und eine Krankheit, die ihn f\u00fcr viele Monate in die &#8222;eiserne Lunge&#8220; zwingt. So gefesselt und seines bisherigen Lebens (und K\u00f6rpers) beraubt, f\u00e4ngt Beisser an nachzudenken \u00fcber sich und sein Leben.<\/p>\n<p>Weit weniger autobiographisch und rein fiktiv:<strong> Phillip Roth\u00b4s <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Nemesis-Roman-Philip-Roth\/dp\/3446236422\/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1312190032&amp;sr=1-1\" target=\"_blank\">Nemesis<\/a><\/em><\/strong>.<a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/6242111D-CF42-4833-9FD3-034807727700g300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-314\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/6242111D-CF42-4833-9FD3-034807727700g300.jpg\" alt=\"\" width=\"144\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/6242111D-CF42-4833-9FD3-034807727700g300.jpg 300w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/6242111D-CF42-4833-9FD3-034807727700g300-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/6242111D-CF42-4833-9FD3-034807727700g300-97x150.jpg 97w\" sizes=\"auto, (max-width: 144px) 100vw, 144px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dem Roth eine (erfundene) Polio-Epidemie in Newark im Jahre 1944 als Rahmen dient.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(Tragischer) &#8222;Held&#8220; und Mittelpunkt ist der Sportlehrer Bucky Cantor, der auf Grund seiner extremen Kurzsichtigkeit untauglich f\u00fcr den Weltkrieg ist. Ein Krieg, in dem seine besten Freunde f\u00fcr Amerika in Europa k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Bucky betreut stattdessen \u00fcber die Sommerferien Kinder. Zuerst auf dem st\u00e4dtischen Sportplatz und sp\u00e4ter in einem Zeltlager. Und jedesmal holt ihn die Kinderl\u00e4hmung ein, die zahllose Kinder zu Kr\u00fcppel macht oder in den Tod reisst. Kurz vor Ende der Epidemie erkrankt auch Bucky und \u00fcberlebt nur knapp. Aber f\u00fcr immer verkr\u00fcppelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4re Roth ein Fotograf und Nemesis eines seiner Fotografien,\u00a0 w\u00fcrde ich Roth\u00b4s Stil als &#8222;gestochen scharf&#8220; beschreiben. Denn beim Lesen hatte ich nicht das Gef\u00fchl, dass auch nur ein Wort zu viel oder unn\u00f6tig gew\u00e4hlt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Schicksal und die Konsequenzen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch mir geht es hier nicht um Literaturkritik, mir geht es um die zwei Menschen (der eine real und der andere fiktiv), die im Grunde mit dem gleichen Schicksal (-sschlag) konfrontiert werden. In dem sie an Kinderl\u00e4hnmung erkranken, wodurch sich ihre komplette Lebensplanung auf den Kopf stellt. Doch so \u00e4hnlich dieser Schicksalsschlag ist, so unterschiedlich die Konsequenzen f\u00fcr die beiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend Bucky am Ende des Buches nicht nur k\u00f6rperlich verkr\u00fcppelt ein einsames und verbittertes Leben lebt, (weil er der Frau, die ihn liebt, nicht mit einem Kr\u00fcppel wie er es ist, &#8222;bel\u00e4stigen&#8220; m\u00f6chte und sie regelrecht aus seinem Leben &#8222;vertreibt&#8220;), und Gott die Schuld gibt f\u00fcr das Leid, das ihm und der Welt widerf\u00e4hrt, wird Beisser Leiter einer psychatrischen Klinik und angesehener Gestalttherapeut, der mit seinem &#8222;Paradoxon der Ver\u00e4nderung&#8220; einen zentralen Aspekt der Gestalttherapie formuliert und gepr\u00e4gt hat: <em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ver\u00e4nderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu sein, was er nicht ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Das Paradoxon der Ver\u00e4nderung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8222;An allen Fronten vernichtend geschlagen, musste ich lernen, aufzugeben und anzunehmen, wie ich geworden war und nicht hatte sein wollen. Aus meiner Aufgabe und der Annahme dessen, was ich mir nicht ausgesucht hatte, erwuchs das Wissen um einen neue Art der Ver\u00e4nderung und eine neue Lebensweise, die ich nicht erwartet hatte. Es war eine paradoxe Ver\u00e4nderung&#8220;<\/em>, so Beisser \u00fcber seinen (nur anf\u00e4nglichen) Kampf mit seiner Krankheit und den damit verbundenen sehr drastischen Konsequenzen f\u00fcr sein weiteres Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8222;Es war keine Ver\u00e4nderung, die von Kampf, Arbeit und M\u00fche gepr\u00e4gt war, sondern eher die Entdeckung, wie es m\u00f6glich ist, nicht zu k\u00e4mpfen, nachzugeben, einen Schritt beiseite zu treten und die Wahrheit deutlich werden zu lassen. Es war keineswegs die tragische Wahrheit, die ich erwartet hatte&#8220;<\/em> und weiter <em>&#8222;Ich erfuhr, dass es nicht immer n\u00f6tig ist zu k\u00e4mpfen, um seinen Platz in der Welt zu finden, denn ich entdeckte den Platz, den ich schon in mir hatte. Je mehr ich diesem Platz vertraut wurde und mich auf ihn verlassen konnte, desto mehr fand ich heraus, dass es auch einen Platz in der Welt f\u00fcr mich gab&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich finde diese Zeilen bemerkenswert &#8211; vor allem in Anbetracht der Herausforderung, die Beisser auf Grund der doch sehr dramatischen Schicksalswendung bew\u00e4ltigen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ein Gegen\u00fcber im Kontakt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich weiss nat\u00fcrlich nicht, was passiert w\u00e4re, wenn Bucky Cantor zur richtigen Zeit die f\u00fcr ihn richtige Unterst\u00fctzung gefunden h\u00e4tte. Beisser trifft recht zuf\u00e4llig auf Fritz Perls, einem der Mitbegr\u00fcnder der Gestalttherapie. Und diese Begegnung ist richtungsweisend f\u00fcr ihn, und die beiden werden Kollegen und Freunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beisser beschreibt sein erstes Treffen mit Perls mit den folgenden Worten: <em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8222;Was ist denn mit Ihnen passiert? Er sagte das mit solch kindlicher Unschuld und Verwunderung, dass ich es ihm nicht \u00fcbel nahm. Er schien ganz einfach an dem Offensichtlichen, das einen starken Gegensatz zu dem \u00dcblichen darstellt, interessiert zu sein&#8220;<\/em>. Und weiter <em>&#8222;Seine erfrischend freim\u00fctige Reaktion zeigte wirklich echtes Interesse. Das war erleichternd (&#8230;) Aber seine wirkliche Kraft bestand in seiner F\u00e4higkeit, direkten Kontakt mit dem Wesentlichen der Menschen und ihren Situation herstellen zu k\u00f6nnen&#8220;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Viel besser kann ich die Art und Weise, wie ein Gestalttherapeut als Gegen\u00fcber verf\u00fcgbar sein kann nicht beschreiben.<em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Schicksal und was daraus entstehen kann<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">F\u00fcr mich lerne ich von Menschen wie Beisser, was es heissen kann mit &#8222;seinem Schicksal&#8220; umzugehen. Es vor allem erst einmal anzuerkennen und damit den vielleicht ersten und wichtigen Schritt hin zu einer Ver\u00e4nderung &#8222;zum Besseren&#8220; zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal kommt doch in der Tat das eine zum anderen. 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