{"id":613,"date":"2012-01-06T22:16:04","date_gmt":"2012-01-06T21:16:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=613"},"modified":"2012-01-06T22:16:04","modified_gmt":"2012-01-06T21:16:04","slug":"veranderung-und-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jochenguertler.de\/?p=613","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderung und Wachstum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Im <a href=\"..\/?p=566\">ersten Teil<\/a> habe ich beschrieben, woher der Wunsch nach Ver\u00e4nderung kommt, und im <a href=\"..\/?p=599\">zweiten Teil<\/a> ging es um die Frage, ob ein Mensch die Freiheit hat sich zu \u00e4ndern bzw. wer daf\u00fcr letztendlich die Verantwortung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Im dritten Teil beschreibe ich nun mehrere Modelle, wie ein Ver\u00e4nderungsprozess aussehen kann.<\/p>\n<p><strong><\/strong><strong>Heldenreise<\/strong><br \/>\n<em><\/em><\/p>\n<p><em>Und nun stand er wie so oft in den letzten Jahren vor den riesigen zwei Felsen, die den Geschichten nach, den Held und den D\u00e4mon in ewiger Zweisamkeit verbinden. Die seit Menschengedenken Sinnbild f\u00fcr die Verschmelzung von \u201eGut\u201c und \u201eB\u00f6se\u201c waren und die, wenn man den Legenden glauben darf, Basis und Wurzel ihrer so wunderbaren Welt waren. <\/em><\/p>\n<p><em>Die nur existierten, weil es beide gab, den Held und den D\u00e4mon. Und die nicht existieren k\u00f6nnten, wenn der eine den anderen vernichtet h\u00e4tte.<\/em><\/p>\n<p><em>Und in der Tat: es bedarf nicht allzu viel Phantasie, um in den zwei Felsen, die mindestens zehn Meter in den Himmel ragten, den Held und den D\u00e4mon zu erkennen. Der Held, aufrecht und mit stolz erhobenem Haupt. Der mit klaren Gesichtsz\u00fcgen, stolz und furchtlos, mit Schwert und Schild an seiner Seite, dem D\u00e4mon entgegentritt. Dem D\u00e4mon, der weitaus \u201ediffuser\u201c wirkte, weniger greifbar, doch gleichzeitig auch mit einer immensen Anziehungskraft. Der D\u00e4mon \u00fcberragte den Helden noch um etliche Meter, der Fels war wesentlich zerkl\u00fcfteter, weniger konkret. Viel schw\u00e4rzer als der Held und mit einem \u201eGesicht\u201c, in dem jeder den gro\u00dfen, weit aufgerissenen Mund entdecken konnte, mit dem der D\u00e4mon in den alten Geschichten den Helden so furchterregend und angsteinfl\u00f6\u00dfend, aber gleichsam auch so verzweifelt anschrie und anflehte. Ihn gleichzeitig bedrohte und um Anerkennung flehte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die zwei Felsen standen ca. zwei Meter auseinander, doch ob aus einer Laune der Natur heraus oder aufgrund der Vereinigung von Held und D\u00e4mon, wie sie in den Geschichten erz\u00e4hlt wird, verband ein Bogen aus Fels die beiden lange Zeit so gegens\u00e4tzlichen und unvers\u00f6hnlichen Seiten. <\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDer Held und der D\u00e4mon reichen sich die Hand; sie akzeptieren sich so wie sie sind, geben dem anderen den ihm zustehenden Platz in unserer Welt und erm\u00f6glichen so ein neues, gutes Ganzes\u201c, dachte er und wie immer f\u00fchlte sich diese Vorstellung f\u00fcr ihn befreiend und kraftvoll an.<\/em><\/p>\n<p>Es mag auf den ersten Blick vielleicht \u00fcberraschen, dass ich an dieser Stelle eine Passage aus meiner Abschlussarbeit zum Ende der Basisstufe zitiere, in der ich eine der Phantasiereisen w\u00e4hrend meiner Heldenreise im Sommer 2008 in Weigenheim beschreibe.<\/p>\n<p>Wo es mir doch in dieser Arbeit um den Wunsch nach Ver\u00e4nderung und einem m\u00f6glichen gestalttherapeutischen Weg dorthin geht. Aber gerade deswegen m\u00f6chte ich in diesem Kapitel auch auf die Heldenreise eingehen, die ich heute abseits von meinen sehr eindr\u00fccklichen, pers\u00f6nlichen Erfahrungen auch im Rahmen eines gestalttherapeutischen Prozesses zu nachhaltiger Ver\u00e4nderung und pers\u00f6nlichem Wachstum einordnen kann.<\/p>\n<p><strong>Die f\u00fcnf Schichten der Neurose<\/strong><\/p>\n<p>Anfangen m\u00f6chte ich aber mit &#8211; wie k\u00f6nnte es anders sein &#8211; Fritz Perls, der schon in den 1960er Jahren ein erstes \u201eModel\u201c f\u00fcr einen Ver\u00e4nderungsprozess beschrieben hat. Er spricht dabei (je nach Quelle) von vier bis f\u00fcnf \u201eSchichten der Neurose\u201c (ich werde mich im Folgenden auf das f\u00fcnf-phasige Model beschr\u00e4nken). Es liese sich an dieser Stelle trefflich dar\u00fcber diskutieren, ob es sich dabei um (r\u00e4umlich orientierte) Schichten oder Ebenen oder doch mehr um (zeitlich orientierte) Phasen handelt. Ich m\u00f6chte sein Model aber vor allem aus Sicht der dabei stattfindenden Ver\u00e4nderungen beschreiben.<\/p>\n<p>Die erste Phase nennt Perls die <strong>Klischee-Phase<\/strong>, in der der Mensch nach vorgegebenen Mustern und Ritualen lebt. \u201eKontakt\u201c mit anderen Menschen stellt sich meist als klischeehaftes H\u00e4ndesch\u00fctteln oder mechanisches \u201eGuten Morgen, wie geht es Dir?\u201c dar. Das Vorhandensein des Anderen wird bemerkt, mehr aber auch nicht.<\/p>\n<p>Spontan f\u00e4llt mir dazu eine \u00dcbung ein, die wir w\u00e4hrend einer unserer ersten Wochenenden in der Basisstufe gemacht haben. Manfred hatte uns aufgefordert, durch den Raum zu gehen und die, die uns dabei begegnen, zu begr\u00fc\u00dfen. Wir taten dies im R\u00fcckblick sicherlich sehr \u201eklischeehaft\u201c mit H\u00e4ndedruck, Umarmung oder gar K\u00fcsschen. Nachdem uns Manfred dazu eingeladen hatte, in dem Moment der Begr\u00fc\u00dfung wirklich sehr bewusst zu entscheiden, wie wir den Gegen\u00fcber jetzt gerade in diesem Augenblick begr\u00fc\u00dfen wollen, waren die Begr\u00fc\u00dfungen fast durchweg zur\u00fcckhaltender aber auch, zumindest in meiner Erinnerung, ehrlicher und nachhaltiger.<\/p>\n<p>Nach der Klischee-Phase folgt das <strong>Stadium des Als-ob-Verhaltens<\/strong>, des Rollenspiels. \u201eDie Schicht\u201c, so Perls, \u201ewo wir Spielchen machen und in Rollen schl\u00fcpfen\u201c.<\/p>\n<p>Bruno-Paul de Roeck f\u00fchrt eine sehr treffende \u201eSpielchen-Sammlung\u201c auf: Das Mitleid-Spielchen, indem man sich \u00fcbertrieben bedauernswert stellt, um das Mitleid der anderen zu wecken. Das Erpresser-Spielchen (\u201eDu bist der einzige, der mir helfen kann.\u201c). Das \u00dcbertragungsspielchen (\u201eDu bist genau wie meine Mutter.\u201c), das Vergleichsspielchen (\u201eDu hast es leichter. Du kannst Dich immer leicht \u00fcber etwas hinwegsetzen.\u201c) oder das Vorwurfsspielchen (\u201eWarum bist Du nicht etwas t\u00fcchtiger?\u201c) um nur ein paar Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>All diese Spielchen (und es gibt sicherlich Hunderte davon) dienen nur dem einen Zweck &#8211; n\u00e4mlich den anderen zu manipulieren. Doch in diesem Stadium betr\u00fcgen wir letztendlich vor allem uns selbst, weil wir jemanden darstellen wollen, der wir nicht sind.<\/p>\n<p>\u201eWir identifizieren uns selbst und andere\u201c, so Bruno-Paul de Roeck, \u201emit einem Idealbild, das uns mit seinen Anforderungen nur terrorisiert und uns schmerzlich verfremdet und machtlos macht\u201c. Wir sind dann der Frosch, der sich, wie in der Fabel von Aesop, zur Kuh machen will. Mit bekannterma\u00dfen dramatischen Folgen f\u00fcr den Frosch.<\/p>\n<p>Wer diese Schicht hinter sich l\u00e4sst, wer aufh\u00f6rt Spielchen zu spielen, wer aus seiner Rolle heraustritt, der kommt in die Phase der <strong>Impasse<\/strong>, in die Ausweglosigkeit.<\/p>\n<p>Die (scheinbare) Sicherheit des Klischees oder der Rollen sind dahin, der Mensch muss mit einem Male \u201eauf eigenen Beinen stehen\u201c. Die bisherige Wirklichkeit erweist sich als blo\u00dfe Phantasie, die bisherigen Vorstellungen und Bilder von sich selbst und der Welt sind nichtig. Ein Zur\u00fcck in das Altbekannte w\u00fcrde das gerade begonnene Wachstum abw\u00fcrgen, doch noch fehlt der feste Boden unter den F\u00fcssen f\u00fcr ein Leben abseits von Klischees und Rollen. \u201eNicht zur\u00fcckziehen ist hier die Parole\u201c, so de Roeck. \u201eDer Schmerz des Wachsens lohnt sich. Sterben, um zu leben\u201c.<\/p>\n<p>Wer \u201enicht zur\u00fcckzieht\u201c, betritt die <strong>Implosionsphase<\/strong> oder so Perls, die \u201eSchicht des Todes\u201c. Der Mensch steht kurz davor, sich zu erneuern, der zu werden, der er ist. Doch werde ich dann noch angenommen? Werde ich dann noch geliebt? Bedeutet es nicht meinen Tod, wenn ich nicht mehr der bin, der ich war? Das letzte Aufb\u00e4umen findet statt, um Ver\u00e4nderung und Wachstum doch noch zu verhindern. Der Mensch versucht krampfhaft, die gegens\u00e4tzlichen Kr\u00e4fte, die in ihm wirken, zusammenzuhalten. Zieht sich zusammen. Implodiert. Stirbt.<\/p>\n<p>Stirbt, um in der letzten Phase, der <strong>Phase der Explosion<\/strong>, neugeboren zu werden. Die vielzitierte Katharsis. Die Explosion hat dabei nichts von einer Katastrophe, sondern ist vielmehr Ausdruck von echten Gef\u00fchlen auf den verschiedensten Gebieten. Echte Trauer und Tr\u00e4nen werden zugelassen, Wut und Aggression d\u00fcrfen sein, Freunde und Ausgelassenheit werden intensiv gelebt. Der Mensch entdeckt seine authentische Pers\u00f6nlichkeit, er sp\u00fcrt so viel Energie in sich wie nie zuvor. \u201eDer furchterregende Berg\u201c, so de Roeck, \u201eder dir vorher den Weg zum Leben versperrte und dich hinderte, Risiko auf dich zu nehmen, wird zu einem l\u00e4cherlichen Maulwurfsh\u00fcgel, der nur durch deine Einbildung so riesenhaft aufgebl\u00e4ht wurde\u201c.<\/p>\n<p><strong>WESENtliches<\/strong><\/p>\n<p><em>Oder um es mit den Worten meines Wesens zu sagen, das mir nach meinem ersten Sommer-Intensiv in Weigenheim die folgenden Zeilen geschrieben hat:<\/em><\/p>\n<p><em>Ich durfte gestern viele Tr\u00e4nen weinen und Schmerz loslassen, F\u00fcr den Mut daf\u00fcr danke ich Dir. Ich f\u00fchle mich am Ende einer Etappe, die vielleicht 1998 angefangen hat und die gestern ein so befreiendes Ende fand. Es war sehr sch\u00f6n, diese Etappe dann so ausgiebig zu feiern. Im Kontakt \u2013 mit Dir, mit Frauen, mit M\u00e4nnern. Dieser Kontakt war sehr sch\u00f6n f\u00fcr mich und ich kann Dich nur ermutigen, diesen Weg weiterzugehen. Ich werde Dich immer unterst\u00fctzen und Dir helfen wo ich kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Struktur des Ver\u00e4nderungsprozesses<\/strong><\/p>\n<p>Angelehnt an Perls\u00b4 Schichten der Neurose haben Frank M. Staemmler und Werner Bock ebenfalls eine Strukturierung des Ver\u00e4nderungsprozesses vorgeschlagen, auf die ich nun eingehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die erste Phase, die Staemmler und Bock als <strong>Stagnation<\/strong> bezeichnen, zeichnet sich dadurch aus, dass sich ein Mensch, der sich darin befindet, nicht mehr selbst als Urheber der Ver\u00e4nderung seiner Situation begreift. Alle \u201eMacht\u201c, alle Verantwortung daf\u00fcr liegt ausschlie\u00dflich bei \u00e4u\u00dferen Kr\u00e4ften. Bei dem Partner oder der Partnerin, dem Arbeitgeber, der Gesellschaft, dem Staat, der Kirche, bei Gott. Wenig \u00fcberraschend wird dies meist als belastende Abh\u00e4ngigkeit empfunden, die trotzdem letztendlich nicht in Frage gestellt wird, weil sie nat\u00fcrlich auch einen echten \u201eVorteil\u201c bietet, da der Mensch \u201escheinbar\u201c nicht f\u00fcr seine Situation verantwortlich ist. Ein Mensch in der Stagnation kann durchaus \u201eaktiv\u201c an seiner Ver\u00e4nderung arbeiten. Den Partner oder den Arbeitsgeber wechseln. Gegen Gesellschaft, Staat und Kirche demonstrieren. Von einem Therapeuten zum n\u00e4chsten rennen. Seminare und Workshops besuchen. Und doch wird er sich nicht pers\u00f6nlich ver\u00e4ndern und wachsen, solange er in der Stagnation bleibt.<\/p>\n<p>In meiner Arbeit als interner Coach bei SAP habe ich einige Coachees kennengelernt, die sich genau in der Phase der Stagnation befanden, als sie mit dem Coaching angefangen haben. Beispielsweise Petra, 32 Jahre, die sich nach einem gerade \u00fcberstandenen Burn-Out \u201eneu orientieren\u201c will bei SAP, sich zu Beginn des Coachings aber vor allem als \u201eOpfer\u201c einer \u201eunmenschlichen SAP\u201c sieht, die nicht nur sie, sondern auch viele Kollegen \u201evors\u00e4tzlich frustriert\u201c. Oder Peter, 35 Jahre, der endlich mehr Einfluss auf die Arbeitsweise innerhalb seines Teams nehmen will, aber vom uneinsichtigen Team und seinem Manager, der \u201eihm nie zuh\u00f6rt\u201c und sowieso \u201enoch nie Interesse f\u00fcr neue Themen gezeigt hat\u201c ausgebremst und demotiviert wird. Oder Mia, 22 Jahre, die davon tr\u00e4umt, in die Medienbranche zu wechseln, daf\u00fcr aber nur Kopfsch\u00fctteln von Freunden und Eltern erntet, die sie \u201enicht unterst\u00fctzen\u201c und ihr \u201eihre Flausen ausreden wollen\u201c.<\/p>\n<p>Nach der Stagnation folgt die Phase der <strong>Polarisation<\/strong>, die im Vergleich zur Stagnation einen bemerkenswerten Fortschritt f\u00fcr einen Menschen darstellen kann. Der Mensch entdeckt (wiederentdeckt?) n\u00e4mlich sich selbst als Handelnden, entdeckt vielleicht bislang ungeahnte Wahlm\u00f6glichkeiten. Realisiert, dass die \u00e4u\u00dferen Kr\u00e4fte, denen er in der Stagnation scheinbar hoffnungslos ausgeliefert war, oft nur Phantasiegebilde sind.<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr echte Ver\u00e4nderung und Wachstum ist es noch \u201ezu fr\u00fch\u201c. Denn der neu entdeckten Handlungsfreiheit steht der gleichzeitige Versuch diese zu unterdr\u00fccken gegen\u00fcber. \u201eIch w\u00fcrd ja wollen, wenn ich nur k\u00f6nnt\u201c beschreibt wie schon zu Beginn dieser Arbeit angedeutet, die f\u00fcr die Polarisation typische Zerrissenheit, die einem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes Angst machen kann. Denn, so Staemmler und Bock, \u201eist Angst das subjektive Empfinden, das entsteht, wenn ein Mensch zwei widerspr\u00fcchliche Handlungen ausf\u00fchrt\u201c.<\/p>\n<p>Denn die neu gewonnenen Wahlm\u00f6glichkeiten liegen meist klar auf dem Tisch, die Aussichtslosigkeit des Opfer-Daseins ist dahin. Andererseits aber nehmen genau diese neu gewonnenen Wahlm\u00f6glichkeiten dem Menschen, so Staemmler und Bock weiter, \u201edie M\u00f6glichkeit, \u00e4u\u00dfere Bedingungen und andere Menschen f\u00fcr seine pers\u00f6nliche Misere alleine verantwortlich zu machen\u201c. Oder wie Franz Mittermair schreibt: \u201eAm Ende der Polarisationsphase sind Bed\u00fcrfnis und Widerstand bewusst, stehen im Dialog und wir haben keinerlei L\u00f6sung\u201c.<\/p>\n<p>Dieses Nichtvorhandensein einer L\u00f6sung bringt den Menschen in die dritte Phase, die Phase der <strong>Diffusion<\/strong>. \u00c4hnlich der Impasse beim Perls\u00b4schen F\u00fcnf-Schichten-Model erlebt ein Mensch diese Phase mitunter als hochgradig verwirrend und beunruhigend. Denn er realisiert, dass es f\u00fcr sein Problem der ihm jetzt sehr bewussten Polarit\u00e4ten keine inhaltliche L\u00f6sung, keine L\u00f6sung auf Ebene des Verstandes gibt.<\/p>\n<p>Der Mensch f\u00fchlt sich orientierungslos, ist verwirrt. Es zeigt sich oft ein \u201eNichts\u201c, das aber da vom Menschen erlebbar, nicht \u201eNichts\u201c ist, sondern oft nur wegen einer fehlenden besseren Terminologie so bezeichnet wird. Doch das \u201eNichts\u201c, die Verwirrung hat sein Gutes, denn, so Fritz Perls \u201ewenn du &#8230; bei dieser Verwirrung bleibst, wird sich die Verwirrung selbst entwirren\u201c.<\/p>\n<p>Die sich anschlie\u00dfende vierte Phase der <strong>Kontraktion<\/strong> erinnert stark an Perls\u00b4 Implosionsphase und wird meist als schmerzhaft und bedrohlich empfunden. Denn auch in der Kontraktion erkennt der Mensch, dass er sich nur dann weiter ver\u00e4ndern und wachsen kann, wenn er vorher \u201estirbt\u201c.<\/p>\n<p>Steve Jobs hat dies in seiner mittlerweile vielzitierten Rede vor Stanford-Absolventen sehr treffend formuliert: \u201eNiemand will sterben. Sogar die Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen daf\u00fcr nicht sterben. Und doch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist ihm jemals entronnen. Und so soll es auch sein: Denn der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens. Er ist der Katalysator des Wandels. Er r\u00e4umt das Alte weg, damit Platz f\u00fcr Neues geschaffen wird.\u201c<\/p>\n<p>Und wie bei Perls mit der Phase der Explosion kommt nach der Kontraktion mit der Phase der <strong>Expansion<\/strong> die Neugeburt des Menschen. Wo vorher Zerrissenheit war ist nun Eins-Sein. Aus Schwierigkeiten wird Freude. Aus Verlust wird heilende Trauer. Aus (innerem) Kampf wird Frieden und tiefe Gelassenheit. Aus Bedr\u00fccktheit wird Erleichterung. Aus scheinbar unl\u00f6sbaren Problemen wird Stolz, es \u201egeschafft\u201c zu haben.<\/p>\n<p><strong>Theorie und Praxis<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass sowohl das Perls\u00b4sche Schichtenmodel als auch der Ver\u00e4nderungsprozess wie ihn Staemmler und Bock vorschlagen, letztendlich nur Modelle sind, die in der (therapeutischen) Realit\u00e4t oft nicht exakt so wie beschrieben oder nur in Teilen davon ablaufen. Nicht jeder Ver\u00e4nderungsprozess wird die beschriebenen Schritte \u201eam St\u00fcck\u201c durchlaufen, gleichwohl zum Beispiel Staemmler und Bock darauf hinweisen, \u201edass es im Interesse einer vollst\u00e4ndigen Bearbeitung eines jeweiligen Themas notwendig ist, alle f\u00fcnf Phasen zu durchleben, dass keine Phase \u00fcbersprungen oder umgangen werden kann\u201c.<\/p>\n<p>Im Sinne der Eigenverantwortung, die dem Klienten in der Gestalttherapie bedingungslos zugestanden und auferlegt wird, kann er jederzeit entscheiden, ob er einen begonnenen Prozess fortf\u00fchren oder unterbrechen m\u00f6chte, oder gar (zumindest f\u00fcr den Augenblick) \u201eeinen Schritt zur\u00fcck\u201c macht. Die (gestalt-) therapeutische Unterst\u00fctzung des Klienten kann dabei darin bestehen, ihn auf (vielleicht unbewusste) Selbstunterbrechungen seines Ver\u00e4nderungsprozesses aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Manche Prozesse k\u00f6nnen Jahre dauern, und wohl nur in seltenen F\u00e4llen wird der beschriebene Prozess beispielsweise komplett in einer Sitzung erlebt.<\/p>\n<p>Ganzheitliche Ver\u00e4nderung und pers\u00f6nliches Wachstum setzt sich dar\u00fcberhinaus aus einer nicht endenden, lebenslangen Kette von Ver\u00e4nderungsprozessen dar. Oder wie Staemmler und Bock treffend formulieren: \u201eDieses Wachstum h\u00f6rt ein Leben lang nie auf, es ist das Leben\u201c.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zur Heldenreise<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon zu Beginn dieses Kapitels erw\u00e4hnt, m\u00f6chte ich neben den eben vorgestellten Ver\u00e4nderungsmodellen von Perls bzw. Staemmler und Bock im Rahmen dieser Arbeit nun auf die Heldenreise eingehen, da diese f\u00fcr mich ein weiteres (sehr wohl gestalttherapeutisch orientiertes) \u201eModel\u201c f\u00fcr pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderung und Wachstum darstellt.<\/p>\n<p><strong>Der Monomythos von Joseph Campell<\/strong><\/p>\n<p>Der Mythologe Joseph Campell hat daf\u00fcr die Grundlagen geliefert, in dem er unz\u00e4hlige Mythen, Legenden und Geschichten aus unterschiedlichsten Zeitaltern, Kulturen und Religionen zusammengetragen hat und dabei erstaunliche \u00dcbereinstimmungen gefunden hat.<\/p>\n<p>Diese \u00dcbereinstimmungen hat er in einem \u201eMonomythos\u201c vereint, der universellen Geschichte des Helden, der auszieht den Drachen zu t\u00f6ten, die Prinzessin zu retten oder den heiligen Gral zu finden. Der unz\u00e4hlige Abenteuer bestehen muss, sich dabei aber auf Gef\u00e4hrten verlassen kann. Der Tore in f\u00fcr ihn bis dahin unbekannten Welten durchschreiten muss. Der sich dem Drachen, dem B\u00f6sen, der \u201edunkeln Seite der Macht\u201c stellen muss. Um am Ende zur\u00fcckzukehren. Mit Prinzessin oder Schatz. Aber auch der Erkenntnis, nicht mehr der zu sein, der er zu Beginn der Geschichte war. Und damit auch nicht sein bis dahin gekanntes Leben weiterleben kann.<\/p>\n<p>Diese Geschichten kennen wir nat\u00fcrlich alle, sie sind der Stoff, aus dem im wahrsten Sinne des Wortes \u201edie Helden\u201c sind. Der Stoff, der uns Menschen fasziniert, fesselt und anspricht. Wohl auch, weil wir in diesen Geschichten uns und unseren (vielleicht nur unbewussten) Wunsch nach Ver\u00e4nderung und pers\u00f6nlichem Wachstum wiederfinden.<\/p>\n<p><strong>Paul Rebillot\u00b4s Heldenreise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-617    aligncenter\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png.jpg\" alt=\"\" width=\"293\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png.jpg 529w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png-300x227.jpg 300w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Screen-shot-2011-10-28-at-2.55.13-PM.png-400x303.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diesen Zusammenhang hat Paul Rebillot erkannt und darauf aufbauend die Heldenreise konzipiert, die einen Menschen in dem Wunsch nach pers\u00f6nlicher Ver\u00e4nderung und Wachstum unterst\u00fctzt. Er hat dazu eine Reihe von Phantasiereisen, Ritualen und (Gruppen-) \u00dcbungen entwickelt, mit denen der Held seine Heldenreise durchlebt. Dies geschieht beim ihm oft in szenischer und theatralischer Form (wohl nicht zuletzt durch seine Theatervergangenheit).<\/p>\n<p>Rebillot gliedert die Heldenreise in die folgenden Schritte, von denen ich einige im n\u00e4chsten Abschnitt n\u00e4her beschreiben m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Der Held<\/strong><\/p>\n<p>Rebillot\u00b4s Held ist dabei nicht der Ritter, der sich dem Kampf gegen den Drachen stellen muss. Und er ist auch kein Hobbit im schier ausweglosen Kampf gegen das B\u00f6se.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Held, der sich bei Paul Rebillot zur Heldenreise aufmacht, ist der Teil in einem Menschen, der , so Franz Mittermair, \u201eeinen Ruf erh\u00e4lt und ihm folgt\u201c. Der Held ist der Teil in einem Menschen, der sich weiterentwickeln will, sich ein lebendigeres und erf\u00fcllteres Leben w\u00fcnscht. Oder um es ungleich lyrischer mit den Worten von Nadya Catalfano zu sagen: \u201eEtwas Weiches, Sanftes gleitet durch deine Finger. Und es scheint nach deiner Hand zu greifen, dich zu f\u00fchren hin zu etwas Gr\u00f6\u00dferem. Wenn du nur den Drang sp\u00fcrest, ihm zu folgen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-622\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479-798x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479-798x1024.jpg 798w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479-233x300.jpg 233w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479-116x150.jpg 116w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479-400x513.jpg 400w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08479.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 269px) 100vw, 269px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Held macht sich trotz meist heftiger innerlicher und auch \u00e4u\u00dferlicher Widerst\u00e4nden auf \u201edem Ruf zu folgen\u201c. In den Geschichten sind das in der Tat meist lange und gefahrvolle Reisen in unbekannte L\u00e4nder oder Welten. F\u00fcr den Helden der Heldenreise kann dies weit unspektakul\u00e4rer aber genauso \u201eunwegsam\u201c der Weg aus den bekannten Rollen und Klischees sein, die er bisher gelebt hat. W\u00e4hrend Frodo Beutlin sein geliebtes und beschauliches Auenland verlassen muss, wird sich der Held von seinem wenn nicht geliebten aber zumindest vertrauten Leben und seinen Rollen darin verabschieden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Der D\u00e4mon<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wie im \u201eechten Abenteuer\u201c, das wir aus B\u00fcchern oder von der Leinwand kennen und lieben, hat der Held auch in der Heldenreise einen Gegenspieler, dem er sich im Laufe seiner Heldenreise stellen muss: den D\u00e4mon.<\/p>\n<p>Der D\u00e4mon ist der Teil in einem Menschen, der eben keine Ver\u00e4nderung will. Der \u201eim altbekannten Fahrwasser\u201c bleiben will. Der sich lieber mit den gegebenen Umst\u00e4nden arrangiert, als sie aktiv zu ver\u00e4ndern und zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-621 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478.jpg\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478.jpg 800w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478-300x222.jpg 300w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478-150x111.jpg 150w, https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/DSC08478-400x296.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Also kein Drache, kein dreik\u00f6pfiger H\u00f6llenhund, kein Sauron auf der Jagd nach \u201edem einen Ring\u201c. Sondern der Teil in einem Menschen, mit dem man sich gew\u00f6hnlich weit weniger gerne identifiziert als mit dem Helden. Die \u201edunkeln\u201c Seiten in uns. Die Seiten, die man gerne loswerden w\u00fcrde. Die vielzitierten \u201eLeichen im Keller\u201c. Aber auch die Seiten, die einem Menschen oft nicht bewusst sind, und daher oft ungleich st\u00e4rken wirken als die Seite des Helden.<\/p>\n<p>Die der Mensch sich zwar oft w\u00fcnscht und herbeisehnt, aber dennoch genauso oft nicht wirklich mit Leben f\u00fcllen kann.<\/p>\n<p><strong>Den eigenen Helden finden<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem Aufbruch des Helden in der Heldenreise geht es daher auch um die Besch\u00e4ftigung mit dem Helden in uns. Wer waren unsere Helden der Kindheit? Welcher Filmheld ist der unsrige? Was sieht \u201emein\u201c Held aus?<\/p>\n<p>In meiner Heldenreise habe ich dabei das Haus meines Helden gesucht und die Halle meiner Ahnen, meiner V\u00e4ter gefunden. Ich habe meinem Helden den Namen \u201eJohann\u201c gegeben, den Namen meines Vaters. Mein Vater \u2013 ein Held.<\/p>\n<p><strong>Gef\u00e4hrten<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Frodo Beutlin u.a. Gandalf und Sam an seiner Seite hat, bekommt auch der Held der Heldenreise seinen Gef\u00e4hrten, den er sich erw\u00e4hlt und der ihn auf seiner Reise unterst\u00fctzt. Beim Schreiben dieser Zeilen kann ich mich aber beim besten Willen nicht mehr an meinen Gef\u00e4hrten erinnern, den ich mir w\u00e4hrend meiner Heldenreise ausgesucht habe? Ist selbst mein Held der \u201eperfekter Selbstversorgern\u201c?<\/p>\n<p><strong>Die Konfrontation<\/strong><\/p>\n<p>Die Heldenreise gipfelt in der Begegnung von Held und D\u00e4mon. Eine Begegnung, in der es nicht um Sieger und Besiegten geht, sondern um die Integration beider Seiten. F\u00fcr mich war diese Begegnung und Integration ein sehr bewegender Moment meiner Heldenreise, die sich ein paar Tage sp\u00e4ter in dem zu Beginn des Kapitels beschriebenen Bild manifestiert hat: <em>\u201eDer Held und der D\u00e4mon reichen sich die Hand; sie akzeptieren sich so wie sie sind, geben dem anderen den ihm zustehenden Platz in unserer Welt und erm\u00f6glichen so ein neues, gutes Ganzes\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>Heldenreise und gestalttherapeutischer Ver\u00e4nderungsprozess<\/strong><\/p>\n<p>Warum f\u00fchre ich nun die Heldenreise in Zusammenhang mit einem m\u00f6glichen (gestalttherapeutischen) Ver\u00e4nderungsprozess auf? Zum einen sicherlich auf Grund meiner pers\u00f6nlichen, sehr intensiven Erfahrungen w\u00e4hrend meiner Heldenreise in Weigenheim, die sich nahtlos in meinen Ver\u00e4nderungsprozess w\u00e4hrend meiner Ausbildung eingef\u00fcgt hat. Die Dominanz dieser Erfahrungen bzw. die Beschreibung davon in meiner Abschlussarbeit nach der Basisstufe zeigen dies deutlich. Zum anderen aber auch, weil ich etliche Aspekte der Heldenreise in den vorgestellten Ver\u00e4nderungsmodellen wiederfinde.<\/p>\n<p>Wenn der Held \u201edem Ruf folgt\u201c, ist dies sicherlich auch der hier schon beschriebene Wunsch nach Ver\u00e4nderung auf Grund unbefriedigter Bed\u00fcrfnisse. Und wenn der Held um dem Ruf zu folgen sein bisheriges Leben und seine bisherigen Rollen verlassen muss und damit nicht selten gleich zu Beginn seiner Reise in gro\u00dfe (Selbst-) Zweifel und Hilflosigkeit st\u00fcrzt, ist das f\u00fcr mich die von Perls beschriebene Phase der Impasse, in dem der Mensch seine bisherige Wirklichkeit verl\u00e4sst und dabei auch meist zuerst einmal jeden Halt verliert.<\/p>\n<p>Die Erforschung des Helden als notwendigen Schritt vor dem Aufbruch deckt sich f\u00fcr mich mit Arnold Beisser\u00b4s paradoxen Theorie der Ver\u00e4nderung. So wie der Held dem Ruf erst dann folgen kann, wenn er sich selbst und seine Herkunft kennt, so wird Ver\u00e4nderung bei einem Menschen erst dann entstehen, wenn sich der Mensch wirklich bewusst macht, wer er ist, und nicht darauf konzentriert, wer er sein m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Konfrontation von Held und D\u00e4mon findet sich meiner Meinung nach in der Phase der Polarisation wieder. Stehen sich doch dort Bed\u00fcrfnis und Widerstand genauso gegen\u00fcber wie Held und D\u00e4mon, die sich beispielsweise bei meiner Heldenreise lange Zeit so unvers\u00f6hnlich auf dem Schlachtfeld gegen\u00fcberstanden. Unvers\u00f6hnlich und damit ohne L\u00f6sung f\u00fcr den Konflikt zwischen Bed\u00fcrfnis und Vermeidung.<\/p>\n<p>Erst die Phasen der Diffusion und Kontraktion erm\u00f6glichen die Geburt des Neuen in der Phase der Expansion. Genauso wie sich der Held nach der Integration des D\u00e4mons der \u201eh\u00f6chsten Pr\u00fcfung\u201c stellen muss, die er nur bestehen kann, in dem er sich seinen gr\u00f6\u00dften \u00c4ngsten stellt. Um danach neugeboren zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Staemmler und Bock kommt vom Schritt der Polarisation zur Diffusion dabei \u201edem Vermeidungspol\u201c, also dem D\u00e4mon, \u201eeine zentrale Bedeutung f\u00fcr den weiteren Verlauf des therapeutischen Prozesses zu\u201c. Denn \u201edie Vermeidungsstrategien des Klienten sind es letztlich, die ihn verlassen, sich in eine Therapie zu begeben\u201c (denn ohne sie w\u00fcrde er sein Bed\u00fcrfnis einfach befriedigen) und daher \u201ekann der Therapeut sich mit seinem ganzen Interesse, seiner Neugierde und Entdeckungsfreude der Frage widmen, wie der Klient sich selbst im Wege steht\u201c.<\/p>\n<p>Wie passend, dass am Ende nicht Frodo Beutlin, dessen Mission es ist \u201eden einen Ring\u201c zu vernichten, sondern Gollum, der genau dies verhindern will, den Ring in die \u201eewigen Feuer des Schicksalsbergs\u201c wirft und damit das B\u00f6se besiegt.<\/p>\n<p>Den kompletten Artikel als PDF gibt es <a href=\"https:\/\/www.jochenguertler.de\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Teil-3-Ver\u00e4nderung-und-Wachstum.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Im ersten Teil habe ich beschrieben, woher der Wunsch nach Ver\u00e4nderung kommt, und im zweiten Teil ging es um die Frage, ob ein Mensch die Freiheit hat sich zu \u00e4ndern bzw. wer daf\u00fcr letztendlich die Verantwortung tr\u00e4gt. 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